Tarifrunde M+E

Zu kurz gekommen?


In der Metall- und Elektro-Industrie ist der reale Verdienst seit 1991 laufend gestiegen

Berlin. Mitte des Monats beginnen die Tarifverhandlungen für Deutschlands wichtigsten Industriezweig Metall und Elektro. Was da am Ende vereinbart wird, werden die Betriebe als zusätzliche Kosten auf die Dauer schultern müssen: „Die eigentliche Blickrichtung der Tarifpolitik kann also nur nach vorne sein“, sagt Martin Kannegiesser, Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall.

Dass die Gewerkschaft IG Metall nebenbei auch eine Art Nachschlagsdebatte führen möchte, bricht daher aus Sicht der Arbeitgeber ein Tabu. Und ist für AKTIV Anlass genug, mal nachzusehen, wie die rund 3,6 Millionen Mitarbeiter so dastehen: Sind sie zu kurz gekommen?

Laut Gesamtmetall liegt der Durchschnittsverdienst inzwischen bei einem Jahresbrutto von rund 48.000 Euro. Damit stehen die Metaller besser da als die Beschäftigten der meisten anderen Branchen im Lande.

Mehr Wohlstand dank höherer Produktivität

Nun ist das noch kein wirklicher Trost, wenn es darum geht, dass das Leben immer teurer wird. Doch die Zahlen zeigen: Das reale Einkommen der Beschäftigten ist im vereinten Deutschland laufend gewachsen. In den zwei Jahrzehnten seit 1991 sind schon die normalen Tariflöhne der Metall- und Elektro-Industrie fast immer stärker gestiegen als die Verbraucherpreise. Diese in der Grafik abgebildete Entwicklung war vor allem wegen der stetig zunehmenden Produktivität der Betriebe und Mitarbeiter möglich.

Wobei sich der tatsächliche Bruttoverdienst der meisten Beschäftigten sogar noch günstiger darstellt – aus drei Gründen:

  • Die bei diversen Tarifabschlüssen vereinbarten Einmalzahlungen sind im Entgelt-Index nicht enthalten.
  • Auch Erfolgsprämien sind nicht berücksichtigt. Und die sind ja oft erheblich. Bei Audi gab es 2011 sogar rund eineinhalb Monatslöhne obendrauf! Wie viele Metaller auf diese Weise direkt am Unternehmenserfolg beteiligt sind, ist nicht bekannt. Im verarbeitenden Gewerbe insgesamt profitierten jedenfalls schon 2009 fast 30 Prozent aller Mitarbeiter von Gewinnbeteiligungsmodellen, so das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung.
  • Vor allem aber fehlt in der oberen Kurve etwas, das die Statistik kaum erfassen kann: der ganz persönliche Aufstieg. Die Grafik gilt streng genommen nur für den, der heute den gleichen Job macht wie vor 20 Jahren. Wie oft Mitarbeiter wie hoch befördert werden – dazu hat Gesamtmetall keine Zahlen. Aber einen Hinweis auf das steigende Niveau der Belegschaften: „Der Anteil der qualifizierten Fachkräfte ist seit 1991 von damals unter 70 Prozent auf jetzt gut 80 Prozent gestiegen – mit entsprechenden Konsequenzen für die Entgelte.“

Wirft man den Blick nicht ganz so weit zurück, sondern nimmt speziell die letzten paar Jahre unter die Lupe, dann zeigt sich: Während der brutalen Wirtschaftskrise haben die Löhne weniger gelitten als zum Beispiel die Produktion und auch die Beschäftigung.

Eine von Gesamtmetall erstellte Einkommensbilanz für die Jahre 2008 bis 2011 ergibt unter dem Strich ein reales Lohnplus von 2,5 Prozent.

„Erfolg nicht kleinreden“

„Das ist, zusammen mit der Sicherung von mehr als 800.000 Arbeitsplätzen während der Krise, ein Erfolg, den man nicht kleinreden sollte“, mahnt Kannegiesser. Seine Branche habe „ihre Mitarbeiter immer fair bedient – nicht nur in der Krise, sondern auch im Aufholprozess danach“.

Übrigens: Die Inflationsrate liegt aktuell knapp über 2 Prozent.

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