Krankenkassen

Zeit zum Springen


Zusatzbeitrag muss (noch) nicht sein

Köln. Himmel und Hölle, Hüpfekästchen, Hickelkasten – das gute alte Kreidespiel hat verschiedene Namen und unterschiedliche Regeln. Eins aber ist immer garantiert: Es darf gehüpft werden.

Wie die Kinder auf dem Schulhof oder Bürgersteig können nun auch Verbraucher springen: zu einer anderen  Krankenkasse. Nämlich dann, wenn die eigene einen Zusatzbeitrag erhebt. Wer nicht extra zahlen will, kann wechseln.

Manche Kassen haben noch Rücklagen

Wenn eine Kasse mit dem Geld aus dem Gesundheitsfonds nicht mehr auskommt, keine internen Einsparmöglichkeiten mehr sieht oder keinen Fusionspartner findet, dann ist der Zusatzbeitrag die letzte Lösung. Experten erwarten für die nächste Zeit etliche derartige Ankündigungen.

Wie kommt es aber, dass die einen Kassen mit ihrem Geld auskommen, andere dagegen nicht? Und dass wieder andere ihren Mitgliedern sogar Prämien zurückzahlen? Hier kommen mehrere Dinge zusammen, die einzeln oder in Wechselwirkung die Ursache für klamme Kassen sind.

Region: Wie viel Geld eine Kasse für ihre Versicherten ausgeben muss, hängt unter anderem von der regionalen Verteilung ihrer Mitglieder ab. Auf dem Land sind die Gesundheitsausgaben geringer als in der Stadt. Das liegt nicht zuletzt an einem größeren Ärzte-Angebot in den Ballungsräumen. Kurz: Der Städter geht häufiger zum Arzt als der Landmensch.

Krankheitsstruktur: Wenn eine Kasse überproportional viele chronisch kranke oder ältere Menschen versichert, bekommt sie zwar mehr Geld aus dem Gesundheitsfonds. Aber das reicht oft nicht, denn dieser „Risikostrukturausgleich“ ist gedeckelt. Wenn sie besonders viele  kostenintensive Patienten in ihrer Kartei hat, wird es teuer.

Haushalt: Trotz der allgemeinen Wirtschaftskrise sind manche Kassen noch gut aufgestellt – weil sie effektiv wirtschaften und Rücklagen gebildet haben. Gestaltungsspielräume haben sie nicht nur bei den internen Verwaltungskosten, sondern zunehmend auch extern: durch individuelle Leistungsverträge mit Ärzten, Kliniken und Pharma-Firmen.

Hoffen auf die Politik

Experten schätzen das Defizit der Kassen in diesem Jahr auf rund 3 Milliarden Euro (bei Gesamtausgaben von 170 Milliarden). Doch der Gesundheitsökonom Professor Jürgen Wasem von der Uni Duisburg-Essen warnt: „Im nächsten Jahr kann das Defizit auf das Drei- oder Vierfache steigen.“ Im Klartext: Wenn die Politik nicht gegensteuert, kommt der Zusatzbeitrag bald flächendeckend, da kann man hüpfen, wie man will.

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