Von fahrbaren Untersätzen und rollenden Umsätzen

Zeit für den Reifenwechsel: Deutschland gibt Gummi


Kostet oft nur 20 Euro: Schrauben lassen, statt sich selbst zu bücken – wie bei Paul Walthers altem Chrysler. Foto: Roth

Essen. Der 350 PS starke Chrysler Newport, Baujahr 1966, braucht dringend neue Schlappen – ohne die will Paul Walther nicht in den Frühling starten. „Ich bin froh, dass es heute noch klappt“, sagt der stolze Oldtimer-Besitzer.

Wie hier, bei Reifen Kamphöfner in Essen, läuft’s bundesweit überall gleich, sobald im April die Sonne scheint. Schätzungsweise 38 Millionen Pkw-Besitzer wollen dann nur eins: Winterreifen runter, Sommerreifen rauf. Für die Reifen-Branche ist das Ritual ein Segen.

Neun von zehn Pkw-Besitzern leisten sich mittlerweile zwei Sätze Reifen. „Mehr als die Hälfte fährt im Frühjahr und im Herbst zum Wechseln in die Werkstatt“, schätzt Hans-Jürgen Drechsler, Geschäftsführer des Bundesverbands Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk (BRV). Genaue Zahlen gibt’s aber nicht. Vor 20 Jahren war gerade einmal jeder Dritte doppelt ausgestattet.

Ein Grund für das Umdenken ist die „situative Winterreifenpflicht“. Seit Dezember 2010 müssen Autofahrer bei Schnee und Glätte mit passendem Profil unterwegs sein. Sonst sind 40 bis 120 Euro Bußgeld fällig. Und bei Unfällen geht womöglich noch der Schutz der Kasko-Versicherung flöten. Da ist Wechseln billiger.

45 Millionen Reifen wurden 2012 an Autos ersetzt

So verteilt sich mittlerweile auch der Absatz von Auto-Reifen gleichmäßig auf Winter- und Sommer-Modelle. Rund 45 Millionen Stück wurden 2012 insgesamt für den Ersatzbedarf verkauft. Allein die deutschen Hersteller haben auf ihrem Heimatmarkt rund 4,5 Milliarden Euro Umsatz gemacht – inklusive dem unwichtigeren Reifen-Geschäft mit Lkw und Neuwagen.

Der Reifenkauf ist für die Deutschen vor allem Vertrauenssache. Laut der ADAC-Umfrage „Reifen-Monitor 2012“ bestellen nur 6 Prozent der Kunden im Internet. Hingegen wenden sich zwei Drittel an Reifen- oder Autohändler. Die Empfehlung des Fachmanns ist für viele entscheidend.

Aber auch im Zubehör-Handel sind Reifen mittlerweile eine tragende Säule im Geschäft. Beispiel A.T.U.: Deutschlands führende Kfz-Service-Kette verkaufte im vergangenen Jahr rund 4 Millionen Stück. „Zusammen mit Felgen sorgt das für ein Drittel unseres Umsatzes“, erklärt Firmen-Sprecher Markus Meißner.

Die Schlappen werden größer, breiter, teurer – und häufiger eingelagert als früher

Dem Unternehmen spielt der Trend zu größeren Autos wie SUV und Familienvans in die Hände: „Die Reifen sind größer, breiter und deswegen teurer als früher“, sagt er. Allein das spült schon mehr Geld in die Kasse. Die schwereren und unhandlichen Räder bringen auch im Service das Geschäft in Fahrt: „Unsere Kunden lagern ihre Reifen heute viel häufiger bei uns ein.“

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