Sozialpartner

Zeit für Arbeit, Zeit fürs Leben


Die chemische Industrie in Hessen setzt den Demografie-Tarifvertrag mit Riesenschritten um

Wiesbaden. Arbeiten bis 67. Wie schafft man das? Als erste Branche in Deutschland bereiten die Chemie-Sozialpartner Unternehmen wie Mitarbeiter auf die älter werdende Gesellschaft vor – mit dem Tarifvertrag „Lebensarbeitszeit und Demografie“. Hessische Betriebe haben bereits die ersten Hürden genommen.

Der Tarifvertrag sieht vor, dass Arbeitgeber ab diesem Jahr pro Tarifbeschäftigtem 300 Euro jährlich in einen betrieblichen Demografiefonds einzahlen. Die Verwendung der Beträge bestimmen Geschäftsführung und Betriebsrat gemeinsam.

Auf dem „Forum Demografie“, zu dem der Arbeitgeberverband HessenChemie geladen hatte, wurde die Umsetzung der Modelle in der Praxis vorgestellt. Drei Beispiele:

Autobahn mit Abfahrt

Gesundheitskonzern Fresenius in Bad Homburg setzt auf Qualifizierung und Auszeiten für die Pflege. Wie eine „Autobahn mit verschiedenen Abfahrten“ sieht Personal-Experte Michael Lehmann das Arbeitsleben: Ein Langzeitkonto, auf das der Demografie-Beitrag fließt, ermöglicht es den Mitarbeitern „auch mal etwas anderes zu machen“.

Beispiel: Mit 40 Jahren weiß ein Kollege, dass er in fünf Jahren eine drei Monate lange Weiterbildung machen möchte. Dafür könnte er zum Beispiel 2 Prozent des Tarifgeldes plus zwei Urlaubstage pro Jahr einsetzen.

Früher in Rente

Jeder Mitarbeiter soll seinen Urlaub zur Erholung voll nehmen und nicht ansparen, das meint der Konsumgüterkonzern Procter & Gamble aus Schwalbach im Taunus. Hier wird ihnen mithilfe des Demografiefonds ein früherer Ausstieg aus dem Arbeitsleben ermöglicht – und zwar bis zu drei Jahre.

Sicheres Arbeitsleben

Krankheit, Unfall? „Mich wird es schon nicht treffen“ denken viele. Und sorgen deshalb privat nicht für den Fall der Fälle vor. „Gerade die nach 1962 geborenen Mitarbeiter haben hier ein großes Risiko“, weiß Udo Lemke, Geschäftsführer bei Provadis, Partner für Bildung und Beratung aus Frankfurt. Hier fließt das Tarifgeld deshalb in eine Be­rufsunfähigkeits-zusatzversi­cherung – und das ohne Gesundheitsprüfung.

Bereits 97,8 Prozent der hessischen Unternehmen haben den Tarifvertrag umgesetzt, so eine Umfrage von HessenChemie. Im bundesweiten Vergleich ein Spitzenwert. Die meisten Betriebe (70 Prozent) nutzen die Beiträge zur tariflichen Altersvorsorge. Erst danach folgen Langzeitkonten, Altersteilzeit und Berufsunfähigkeitszusatzversicherung.

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