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Richtig oder falsch?

Zehn Mythen und Wahrheiten rund um Windenergieanlagen

Töten die Rotoren von Windkraftanlagen jedes Jahr Tausende Vögel? Macht ihr Schall krank? Verschlingt ihr Bau mehr Energie als sie liefern? Zu den Windparks gibt es eine Menge Mythen und Behauptungen. AKTIV hat die Fakten für Sie.

Gut 28.700 Windräder erzeugen hierzulande auf Bergen, Feldern und in Wäldern Strom. 1.400 Anlagen wurden im Jahr 2017 hinzugebaut. Nicht immer stößt das auf Zustimmung. Im Internet findet sich eine Menge an Mythen zur Windenergie. Zu besonders weitverbreiteten Behauptungen hat AKTIV Erkenntnisse von Experten eingeholt.


Mythos 1: Windräder töten Tausende Vögel und Fledermäuse

Foto: Adobe Stock
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Das stimmt nicht. Zweifellos ist jedes tote Tier eines zu viel. Aber durch die Windräder sterben nicht Massen von Vögeln. Das Michael-Otto-Institut im Naturschutzbund Deutschland (Nabu) schreibt in einer Studie: „Massenkollisionen an einzelnen Turbinen wie sie von Leuchttürmen oder ähnlichen Bauwerken bekannt sind, wurden an Windenergieanlagen nicht festgestellt.“ Im Mittel gebe es 6,9 Opfer pro Turbine und Jahr. Bei Fledermäusen ermittelten die Forscher etwas höhere Opferzahlen. Zum Schutz der Fledermäuse werden heute viele Windräder in warmen Sommernächten abgeschaltet. Denn dann jagen die Tiere großer Höhe. Im Übrigen ist für jedes Projekt eine Artenschutzuntersuchung des Standorts nötig. Dabei werden sogar unbesetzte Vogelhorste berücksichtigt.

Mythos 2: Windräder zerstören viel Wald

Foto: Adobe Stock
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Wird eine Anlage im Wald errichtet, geht das oft nicht, ohne dass Bäume gerodet werden. „Für eine moderne Windanlage mit drei Megawatt Leistung wird einschließlich der Zufahrtswege eine Fläche von 3.750 Quadratmetern benötigt“, erklärt Wolfram Axthelm vom Bundesverband Windenergie (BWE) in Berlin. „Das entspricht einem halben Fußballfeld.“ Allerdings: Laut Gesetz muss der Investor dafür an anderer Stelle neuen Wald anpflanzen. Zudem werden Windräder meist auf sturmbedingten Kahlflächen oder in ohnehin intensiv genutzten Forsten errichtet und nicht in den ökologisch hochwertigeren Laub- oder Naturwäldern.

Mythos 3: Der Schall von Windanlagen macht krank

Foto: Adobe Stock
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Mit diesem Argument gehen manche Bürger gegen geplante Standorte an. Aber da ist nichts dran. In der Tat erzeugen die für die Energiewende erzeugten Windräder – ähnlich wie die Meeresbrandung oder fahrende Autos – Schall mit sehr niedrigen Frequenzen, den sogenannten Infraschall. Diese tiefen Töne können Menschen normalerweise nicht hören. Das Bayerische Landesamt für Umwelt gibt Entwarnung: „Messungen zeigen immer wieder, dass der Infraschall von Windenergieanlagen deutlich unter der Hör- und Wahrnehmungsschwelle liegt“, schreiben dessen Experten. „Dies gilt selbst im Nahbereich von Anlagen“, sprich: im Abstand von 200 Metern. Und eine Studie im Auftrag der australischen Regierung konnte keinen Zusammenhang zwischen den akustischen Emissionen von Windrädern und gesundheitlichen Einschränkungen feststellen.

Mythos 4: Windräder belästigen Anwohner durch Schatten und Lichtreflexe

Foto: Adobe Stock
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Das gehört heute der Vergangenheit an. Wegen der Abstandsvorschriften und ihrer Größe von bis zu 200 Metern bis zur Rotorspitze „stehen moderne Windanlagen meist so weit von Bebauung entfernt, dass ihr Schattenwurf kein Wohngebäude trifft“, schreiben Experten des Umweltbundesamts in Dessau. Durch Lichtreflexe an sich drehenden Rotorblättern entstand früher ein sogenannter Diskoeffekt. Heute passiert das nicht mehr, weil die Anlagen mit matten, nicht reflektierenden Farben gestrichen sind.

Mythos 5: Blinkende Anlagen stören in der Nacht

Foto: Adobe Stock
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Stehen die Anlagen in der Nähe von Ortschaften, kann das durchaus passieren. Die roten Blinklichter am Generatorgehäuse sind Pflicht, um Flugzeuge und Hubschrauber zu warnen. Vorgeschrieben sind sie für Bauwerke mit 100 und mehr Metern Höhe. In der Nähe von Wohngebieten vermindert man aber oft die Leuchtkraft der Blinklichter, teilt das Umweltbundesamt mit. Zugelassen ist inzwischen eine neue spezielle Nachtkennzeichnung: Dabei überwachen Radarsensoren die Umgebung und schalten die Lichter nur noch an, wenn sich wirklich Flugzeuge nähern. In 90 Prozent der Nacht können sie dadurch bald ausgeschaltet bleiben.

Mythos 6: Windräder verschandeln die Landschaft

Foto: Adobe Stock
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Manche Menschen sehen das so, andere nicht. Fakt ist aber, dass 98 Prozent der Fläche Deutschlands gar nicht für den Bau von Windrädern zur Verfügung stehen – wegen des Naturschutzes oder weil Kommunen es so planen. Zwar können laut dem Baugesetzbuch Windanlagen außerhalb von Orten überall errichtet werden, wenn dem keine öffentlichen Belange entgegenstehen, heißt es beim Umweltbundesamt. Dessen Experten betonen aber auch: „Regionen und Kommunen können Flächen speziell für die Windenergie ausweisen, um Wildwuchs zu verhindern.“ Städte und Gemeinden können den Bau also durchaus steuern.

Mythos 7: Von den Rotoren fallendes Eis gefährdet Mensch und Tier

Foto: Adobe Stock
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Im Winter können die Rotorblätter schon mal vereisen. Die Gefahr dadurch ist aber laut dem Umweltbundesamt gering. Denn mittlerweile sind Schutzmaßnahmen vorgeschrieben. Die Hersteller bauen entweder wie bei der Autoheckscheibe feine Drähte in die Rotorblätter ein, damit sich diese erwärmen lassen. Oder sie installieren ein Überwachungssystem, das die Anlage bei Eisbildung abschaltet.

Mythos 8: Windräder vertreiben Touristen

Foto: dpa
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Da ist nichts dran. Das Kieler Institut für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa hat das einmal untersucht. Ergebnis: Nur einer von 100 Gästen würde einen Urlaubsort wegen eines Windparks in der Nähe meiden. Wichtige Kriterien bei der Auswahl eines Reiseziels sind für die meisten Menschen eher die Unterkunft, der Preis, Sehenswürdigkeiten, Sportangebote sowie Rad- und Wanderwege vor Ort. Manche Kommunen kurbeln mit der Ökoenergie sogar den Tourismus an, wie etwa das Bioenergiedorf Jühnde in Niedersachsen, das energieautarke Feldheim in Brandenburg oder die Energielandschaft Morbach in Rheinland-Pfalz.

Mythos 9: Der Bau der Anlagen verschlingt mehr Energie, als sie liefern

Foto: Adobe Stock
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Das ist falsch. „Moderne Anlagen amortisieren sich energetisch bereits nach fünf bis zwölf Monaten“, sagt BWE-Experte Axthelm. Dann hat das Windrad so viel Energie produziert, wie für seine Produktion, Bau und Entsorgung nötig ist. Natürlich hängt das in gewissem Grad auch vom Standort und den Windverhältnissen dort ab. Axthelm: „Insgesamt erzeugt ein Windrad in 20 Jahren Laufzeit 40- bis 70-mal so viel Energie, wie für Bau und Entsorgung benötigt wird.“

Mythos 10: Der Rückbau der Anlagen ist nicht abgesichert

Foto: Adobe Stock
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Irrtum. Die Genehmigung für den Bau einer Anlage sieht auch deren Rückbau vor. „Die Kosten dafür trägt der Eigentümer“, erklärt Axthelm. „Dafür muss er eine Bankbürgschaft hinterlegen.“ Oft werden alte Windräder inzwischen durch neue, stärkere ersetzt. Im vergangenen Jahr wurden 387 alte Anlagen abgebaut und 315 durch stärkere Windräder ersetzt.

Mehr zum Thema:

Offshore-Windparks liefern immer mehr Strom, berichtet das Kasseler Fraunhofer-Institut IEE in einer Studie. Danach werden Windräder 2030 an 363 Tagen pro Jahr Strom erzeugen – und so zu einem Garanten für Versorgungssicherheit.

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