Fachkräfte-Mangel

Zahntechnik braucht Ingenieur-Nachwuchs


Wie die Mittelständler Bego und Gestra trotz Arbeitsmarkt-Flaute ihren Fachkräftebedarf decken

Bremen. Hilfe, wo bleiben die Ingenieure? Spätestens ab 2015, so prognostiziert das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW), scheiden mehr Fachleute altersbedingt aus dem Berufsleben aus, als Hochschulabsolventen nachkommen.

An allen Ecken und Enden fehlen Fachkräfte. „Klagen hilft nicht, Eigeninitiative ist gefragt“, meint Thomas Kosin, technischer Geschäftsführer der Bremer Goldschlägerei Bego. Das in fünfter Familiengeneration geführte 300-Mitarbeiter-Unternehmen ist mit innovativen Ideen auf dem Zahnersatz-Markt erfolgreich und braucht ständig qualifizierten Ingenieur-Nachwuchs.

„Mehr tun als die Konkurrenz“

„Der Arbeitsmarkt ist so gut wie leergefegt. Deshalb kooperieren wir eng mit Universitäten und Fachhochschulen“, sagt Kosin. Das allein reicht aber nicht, denn dort tummeln sich auch die Wettbewerber um den Nachwuchs. „Der Markt ist eng. Wir müssen daher mehr tun als die Konkurrenz“, sagt der Geschäftsführer.

Bego bietet nicht nur Praktika und Diplomarbeiten an, sondern gibt qualifizierten Leuten auch die Möglichkeit zur berufsbegleitenden Promotion. Diese Arbeiten werden im Rahmen spezieller Forschungsprojekte ausgeschrieben, die das Unternehmen gemeinsam mit Hochschulinstituten initiiert.

Ingo Uckelmann hat diese Chance genutzt. Er studierte Maschinenbau an der RWTH Aachen und promovierte am dortigen Fraunhofer-Institut für Lasertechnik. Zugleich stand er schon auf der Bego-Gehaltsliste. „Ich konnte promovieren und bei Bego Industrie-Erfahrungen sammeln“, sagt er. Ein idealer Karrierestart: Während der Doktorarbeit arbeitete Uckelmann vier Jahre als Entwicklungsingenieur, danach als Assistent der Geschäftsführung. Heute ist er Leiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung. „Mit 33 Jahren“, wie er selbst nicht ohne Stolz anmerkt.

Trotz Krise auf Wachstumskurs

Auch die Gestra AG ist stetig auf Fachkräftesuche. Der zum amerikanischen Flowserve-Konzern gehörende Hersteller von Armaturen und Regelungstechnik für die Dampfund Energiewirtschaft ist trotz akuter Finanzkrise auf Wachstumskurs.

Die demografische Entwicklung bei Gestra (430 Mitarbeiter) aber ist ungünstig. „Wenn wir nicht mit geeigneten Maßnahmen gegensteuern, verlieren wir in den nächsten Jahren bis zu 5 Prozent unserer Leute pro Jahr allein aus Altersgründen“, sagt Personalchef Jürgen Thielemann.

Deshalb verfolgt der Betrieb eine mehrgleisige Strategie. Neben der Zusammenarbeit mit Hochschulen fördert er gezielt Talente im eigenen Unternehmen und bildet zum Teil über Bedarf technisch-gewerblichen Nachwuchs aus. Um ausscheidende Mitarbeiter zu ersetzen, wurde ein System entwickelt, das für wichtige Funktionen im Betrieb Mitarbeiter innerhalb der Firma sucht.

Aber Gestra wirbt um angehende Ingenieure auch direkt in den Hochschulen. „Wir suchen uns Partnerhochschulen, schicken Fachleute zu Vorträgen und finden so den Kontakt zu geeigneten Bewerbern“, berichtet Carsten Schlegel aus der Personalabteilung.

Praktikum, Diplom und fester Job

Die können dann den Betrieb in Etappen kennenlernen. Wie der 29-jährige Elektrotechniker Sergej Janzen. Er absolvierte ein dreimonatiges Fachpraktikum bei Gestra, schrieb später seine Diplomarbeit bei den Armaturenbauern und wurde schließlich im letzten August in der Hardware-Entwicklung angestellt.

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