RSS Feed abonnieren
Feedback senden

Neuer statistischer Ansatz bestätigt erfreulichen Trend

Zahl der „chronisch Arbeitslosen“ ist seit 2005 deutlich gesunken

Niemand beobachtet den deutschen Arbeitsmarkt so genau wie das IAB in Nürnberg. Von dort kommt jetzt ein spannender neuer Befund: Es gibt viel weniger „chronisch Arbeitslose“ als früher. Eine Expertin im Interview.

Regina Konle-Seidl vom IAB, dem Forschungsinstitut der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg. Foto: IAB

Regina Konle-Seidl vom IAB, dem Forschungsinstitut der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg. Foto: IAB

Nürnberg. Die Schwächsten auf unserem Arbeitsmarkt sind sehr viel weniger geworden. Warum das so kam – und was solchen Menschen besonders helfen kann: Darüber sprach AKTIV mit Ökonomin Regina Konle-Seidl vom IAB, dem Forschungsinstitut der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg.

Sie haben die Statistiken erstmals auf „chronisch Arbeitslose“ abgeklopft. Worum geht es da genau?

Langzeitarbeitslos ist, wer zwölf Monate keine Arbeit hat. Diese übliche Messung unterschätzt etwas die Zahl derer, die große Probleme haben, dauerhaft Fuß zu fassen. Denn sie fallen aus der Statistik, wenn sie an einer Maßnahme teilnehmen oder vorübergehend beschäftigt sind. Unser Konzept ist realistischer: Wir zählen alle mit, die in einem Zeitraum von zwei Kalenderjahren nicht regelmäßig ungefördert gearbeitet haben, obwohl sie es wollen.

Was heißt das in Zahlen?

2005 gab es 2,4 Millionen chronisch Arbeitslose – 2015 nur noch 1,2 Millionen. Das ist ein sehr auffallender Rückgang, dieses Ausmaß hat uns selbst erstaunt.

Die Hartz-Reformen dürften dazu beigetragen haben.

Ja. Und natürlich die anhaltend gute Konjunktur. Wir erwarten, dass die Zahl der Betroffenen 2016 und 2017 weiter gesunken ist; Daten dazu haben wir noch nicht.

Welche Hilfen bringen nach Ihrer Datenlage chronisch Arbeitslose wirklich voran?

Relativ gute Wirkung zeigen zum einen Lohnkostenzuschüsse an den Arbeitgeber, mit denen die geringe Produktivität nach der Einstellung befristet ausgeglichen wird. Und zum anderen die berufliche Weiterbildung. Aber es gibt eben auch Personen, die von den bisherigen Maßnahmen nicht erreicht werden können.

Was könnte denen helfen?

Ein „sozialer Arbeitsmarkt“, also dauerhaft subventionierte Jobs auch in privaten Unternehmen. Das wäre allerdings sehr teuer. Die Frage ist eben: Was ist es dem Sozialstaat wert, diese Leute nicht dauerhaft aufs Abstellgleis zu schicken?


Mehr zum Thema:

Aufgrund des schnellen Strukturwandels in der Wirtschaft wird Weiterbildung immer wichtiger. Doch in deutschen Betrieben gibt es viele Analphabeten – und die stehen nun vor einem großen Problem.

Befristete Arbeitsplätze sind ein Aufregerthema derzeit. Dabei liegt ihr Anteil seit über zehn Jahren konstant bei 10 Prozent. Die allermeisten befristet Beschäftigten wechseln auf Dauer in unbefristete Jobs.

Es gibt zu viel Bedürftigkeit, glauben die einen. Bei uns herrscht weitverbreiteter Wohlstand, sagen die anderen. Warum wird die Realität so unterschiedlich wahrgenommen? AKTIV fragte den Soziologen Professor Stefan Hradil.

Die Zahl der von Armut betroffenen Kinder unter 15 Jahren in Deutschland hat sich in den letzten fünf Jahren um 100.000 erhöht. Wie kommt das? Und wo lauern die größten Armutsrisiken? Die wichtigsten Ergebnisse einer neuen Studie.

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen in Deutschland ist seit Jahren unverändert. Daher versucht die Bundesregierung, mit neuen Programmen Betroffene voranzubringen. Wie will sie das schaffen?

Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

Zum Anfang