Altersteilzeit

Wunderschöne Illusionen


Lockeres Leben: Altersteilzeit muss man sich erst einmal leisten können. Foto: Photothek

Der Traum vom frühen Ausstieg - Experten warnen vor Irrtümern

Köln. Es klingt fantastisch: Altersteilzeit! Der stark belastete Malocher gleitet schon lange vor der offiziellen Rente Schritt für Schritt in den verdienten Ruhestand, macht Platz für einen Arbeitslosen – und ist glücklich.

Aber Ende 2009 läuft ein Großteil der staatlichen Förderung aus – was zu Dauerzoff in der Großen Koalition geführt hat. Die Chemie-Tarifpartner vereinbarten schon den Rahmen für ein

Anschluss-Modell; bei Metall wird darum noch gerungen. Doch Vorsicht vor Missverständnissen: Altersteilzeit ist nicht das Allheilmittel, für das sie oft gehalten wird!

„Malocher“?

Wer körperlich hart arbeitet, kann sich Altersteilzeit in der Regel gar nicht leisten. Diejenigen, die das Modell in Anspruch nehmen, haben zuvor „überdurchschnittlich“ verdient, bilanziert Professor Michael Hüther, Chef des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW). „Nur 13 Prozent der Nutznießer waren Arbeiter.“

„Schritt für Schritt“?

Auch die Idee einer Teilzeit im Alter ist in der Praxis kaum umgesetzt worden: Neun von zehn Betroffenen nutzen das sogenannte Block-Modell – und verabschieden sich dann auf einen Schlag.

„Platz für Arbeitslose“?

Das war mal die Begründung für die Förderung der Altersteilzeit durch die Bundesagentur für Arbeit. Motto: Sie spart ja im Gegenzug Geld für Arbeitslose. Doch eine neue IW-Studie betont: 2007 konnte die Behörde nur noch in jedem fünften Fall einen Arbeitslosengeld-Empfänger aus ihrer Statistik streichen.

„Glücklich“?

Professor Axel Börsch-Supan hat in einer großangelegten Studie Ernüchterndes zutage gefördert: „Die Freude über den Vorruhestand verpufft schnell“, warnt der Wissenschaftler, der an der Universität Mannheim den demografischen Wandel erforscht.

So attraktiv der frühe Ausstieg im Einzelfall sein mag – in unserer alternden Gesellschaft geht es eher um Sich-Fit-Halten und lebenslanges Lernen. Das spielt auch im neuen Demografie-Pakt der Chemie eine wichtige Rolle. „Wir brauchen viel bessere Möglichkeiten der Weiter- und auch der Um-Bildung“, empfiehlt Professorin Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung. „Wer schwer schuftet, sollte Entwicklungschancen bekommen, lange bevor die körperliche Belastung zu groß wird.“

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