Leitartikel

Worauf es in Europa ankommt

AKTIV-Chefredakteur Ulrich von Lampe. Foto: Roth

Bei der Rettung des Euro ging es von Anfang an um zwei ganz unterschiedliche Dinge. Zum einen gab es die Perspektive der Buchhalter – die darüber stritten, ob sich die Hilfen für die Krisen-Länder rechnen. Aber es gab immer auch die Perspektive der Strategen. Für sie ging es um den Stellenwert Europas in einem unsicheren globalen Umfeld.

Als die Buchhalter eine Zeitlang allen Ernstes erörterten, ob man Griechenland nicht einfach aus der Währungsunion werfen sollte, fassten sich die Strategen an den Kopf: Das Land an der sensiblen Südost-Flanke Europas, EU-Mitglied seit 1981, Nato-Partner – auf dem Höhepunkt der Schuldenkrise alleinlassen? In Kauf nehmen, dass es im Chaos versinkt und politisch sonst wohin driftet?

In dieser Perspektive waren die Rettungsschirme mehr als ein Investment und mehr als eine Geste solidarischer Großzügigkeit. Nämlich Ausdruck handfester nationaler und europäischer Inter­essen. Es kann uns nicht egal sein, wenn im europäischen Haus eine Wand wegbricht. Wir können uns nur gemeinsam behaupten. Schließlich verkörperte die EU im Jahr 2010 noch 29 Prozent der Weltwirtschaft – aber 2050 sind es Prognosen zufolge nur noch 12 Prozent.

Und die Buchhalter? Natürlich haben auch sie zur Euro-Rettung Wichtiges zu sagen. Sie beziffern die Risiken, warnen vor Irrwegen und schaffen so die Voraussetzung dafür, dass das Projekt politisch vermittelbar bleibt. Allerdings dürfen sie jetzt langsam auf Alarmstufe Gelb runterschalten. Die EU-Kommission sagt den Griechen für nächstes Jahr 3 Prozent Wachstum und einen beinahe ausgeglichenen Staatshaushalt voraus. Es sieht so aus, als ob sie die Kurve kriegten.


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