Leitartikel

Woran es zum Kinderkriegen vor allem fehlt

AKTIV-Chefredakteur Ulrich von Lampe. Foto: Roth

Die Familienpolitik ist ein Feld voller Aufgeregtheiten. Vor „gravierenden sozialen Verwerfungen“ warnen jetzt Sozialverbände – weil die Regierung die geplante Kindergeld-Erhöhung um monatlich 2 Euro (in Worten: zwei!) auf 2016 verschieben will. Der Ausbau von Betreuungsplätzen in Kitas wird intensiver verfolgt als der von Arbeitsplätzen in der Industrie; im letzten Sommerloch redete alles von einer „Klagewelle“ wütender Eltern, die dann ausblieb. So wie Familienministerin Manuela Schwesigs 32-Stunden-Woche für Eltern, die bisher schrillste Idee aus dem neuen Kabinett.

Zeit, Geld, Infrastruktur – darum geht es in der Kinder-Debatte, und entsprechend lang ist die Liste der Wohltaten: Mit 156 Maßnahmen gibt unser Staat Anreiz zur Familiengründung, bringt damit jährlich 200 Milliarden Euro unters Volk. Genützt hat es wenig: Die Zahl der Geburten liegt mit rund 670.000 nur noch knapp halb so hoch wie vor 50 Jahren und dürfte, weil die potenziellen Mütter fehlen, ab 2020 noch mal stark zurückgehen.

Was tun? Natürlich ist es ratsam, bei den 156 Maßnahmen aufzuräumen und Prioritäten zu klären. Wichtig ist vor allem, Mütter im Berufsleben zu halten – schon allein deshalb, weil zwei von fünf Alleinerziehenden von Hartz IV leben. Aber vor allem sollte sich die Politik auf eines konzentrieren: Wirtschaftswachstum!

Denn die beste Familienförderung sind starke Betriebe mit soliden Jobs. Und eine politische Kultur, die nicht bei jeder Gelegenheit den Untergang beschwört. Mehr noch als Zeit, Geld und Infrastruktur braucht es fürs Kinderkriegen die Ressource Zuversicht. So wie sie aus dem Blick unserer Kleinsten leuchtet.


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