So arbeitet Deutschlands einziger „Denim-Sachverständiger“

Woran erkennt man gefälschte Jeans?


Nagold. Wow! Nur 30 Euro für eine neue 501 von Levi’s. Ob die Hose echt ist? „Vermutlich nicht“, meint Arnd Lohmann – der bundesweit einzige „Jeans-Sachverständige“.

Seit 15 Jahren begutachtet der Textilbetriebswirt aus Nagold (Baden-Württemberg) die Nietenhosen im Auftrag von Firmen und Händlern, Gerichten, aber auch Privatleuten. Das Thema Produktfälschungen, für unsere Industrie hochsensibel, wird hier konkret.

Alle zehn Sekunden wird in Deutschland eine Jeans über Ebay verkauft, so die Angabe des Online-Auktionsportals. Da tummeln sich auch schwarze Schafe. „Lieblingsobjekt der Fälscher ist der Klassiker von Levi’s“, sagt Lohmann. Schon 1873 ließ der deutsch-amerikanische Unternehmer Levi Strauss das Urmodell patentieren. Das Original kostet bei uns etwa 90 Euro: „In Niedriglohnländern können hochwertige Jeans schon für 15 Euro produziert werden.“ Der Rest sind Kosten für Markenwerbung. Wie erkennt man den Fake?

• Nieten: Der Profi dreht eine Hose auf links, tippt auf eine polierte Kupferniete. „Da fehlt die Prägung. Auf dem Original ist hier der Hersteller eingestanzt!“

• Nähte: Vorsicht, wenn die Faden­enden nicht sauber verarbeitet sind. Lohmann: „Wird der Original-Faden benutzt? Ist es eine Doppelnaht?“

• Label: Das ist schon etwas schwieriger. Lohmann weist auf das Label am Hosenbund: „Das ist nicht sauber genäht“, sagt er. Das heißt? „Beim Original ist das Garn in der Mitte des Etiketts an der Bundkante mittig verriegelt“, erklärt Lohmann. Bei Fälschungen sind die ­Fäden dagegen meist breitflächig versteppt.

• Stoff: Die Jeans sind in der Regel außen indigoblau und innen weißlich: „Das liegt an der Webart.“

• Farbe: Der Farbstoff, chemisch hergestellter Indigo, soll beim Tragen nicht abfärben. Lohmann: „Eine solche Färbetechnik wäre Pfusch.“

• Schnitt: „Um den Schnitt zu beurteilen, braucht man viele Testpersonen“, so der Experte. Dann sieht er, was gut ist und was nicht.

Ein Gutachten kostet bis zu 1.000 Euro und mehr

Eine erste Begutachtung gibt es bereits ab 80 Euro. Eine aufwendige Expertise dagegen kostet rund 1.000 Euro oder mehr. Lohmann: „Ich besorge mir ein Original und vergleiche es haargenau mit der mutmaßlichen Fälschung.“ Das kann mehrere Tage dauern. Er ist sich sicher: „Ich erkenne jede Nachahmung!“

Es sei denn, es handelt sich um eine sogenannte „Mitternachtsfälschung“: Dabei fertigen Nähereien aus den Original-Zutaten mehr Jeans an, als sie später offiziell abliefern.

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Ob Luxus- oder Pfennigartikel: Produkte aller Art werden gefälscht, was das Zeug hält. Manche Plagiate sind leicht zu erkennen – wenn man sie direkt vor sich hat. Doch etwa beim Online-Shopping lauern umso mehr Fake-Fallen.

Was sollte man beim Kauf von Jeans beachten? Wie pflegt und repariert man sie am besten? Und womit kann man sie noch etwas aufpeppen? AKTIV hat hierzu Experten befragt, die genau wissen, wie Beinkleider schicke Leute machen.

Auch beim Online-Shopping-Sortiment gilt: Es gibt nichts, was es nicht gibt – und das oft in zigfachen Varianten. Darum ist guter Rat umso wichtiger. Aber Vorsicht: Zum Beispiel bei Amazon soll jede fünfte Bewertung gefälscht sein!

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Schlagwörter: Textil Qualität

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