Werte und Vernunft

Wohlverstandene Effizienz – ein paar Gedanken zu Weihnachten

Herausgeber Ulrich Brodersen

Eine profitorientierte Unternehmensführung – ist die mit den christlichen Grundwerten vereinbar? Die Frage, für eine Wirtschaftszeitung nicht unpassend, mag auch für die religiös Gleichgültigen unter unseren Lesern von Interesse sein.

Als generelle Antwort vorweg: Ja, es gibt große Übereinstimmungen. Wer die entsprechenden Aussagen der Bibel zum Maßstab für unternehmerisches Handeln nimmt, hat die allgemeinmenschliche und damit auch die wirtschaftliche Vernunft auf seiner Seite.

Anschaulich wird das etwa an dem Spannungsfeld zwischen dem Auftrag an die Menschheit, sich die Erde untertan zu machen, aber auch die Schöpfung zu bewahren. Unser Bundespräsident würde das wohl „verantwortete Freiheit“ nennen. Wir sollen die Ressourcen unseres Planeten einsetzen und mehren – aber mit Sinn und Verstand, sparsam und nachhaltig. Wohlverstandene unternehmenswirtschaftliche Effizienz unterscheidet sich davon nicht.

Sowohl unter christlicher als auch unter wirtschaftlicher Perspektive darf, ja soll der Eigennutz verfolgt werden. Der Mensch soll die Sorge um das Wohl für sich und die Seinen möglichst nicht an Dritte überantworten. Dagegen markiert eine Haltung des Egoismus, des Sich-Hinwegsetzens über achtenswerte Belange anderer eine Gefahr für den Unternehmenserfolg. Und sie widerstrebt auch dem christlichen Gebot, unseren Nächsten zu lieben wie (eben auch!) uns selbst.

Wer sich daran und an den Zehn Geboten ausrichten möchte, wird sich um Glaubwürdigkeit bemühen – gegenüber Kunden, Lieferanten und innerhalb des Betriebs. Er wird anderen stets gerecht werden wollen: nicht vorschnell (ver-)urteilen, aber auch ehrlich in der Kritik sein. Geiz und Neid im Zaum halten, sich mitfreuen über Erfolge anderer. Wer wollte bestreiten, dass eine solche Haltung, nach besten Kräften in die Tat umgesetzt, sehr hilfreich für unternehmerisches Gedeihen ist?

Wer gemäß dem ersten Gebot der Versuchung widerstrebt, sich als Herrgott aufzuspielen, wird sich als Mensch mit Schwächen begreifen, der große Chef genauso wie der Vorarbeiter. Ein derart geprägtes Vertrauensklima bringt jede Firma voran: „Wir strengen uns an, Fehler zu vermeiden, aber keinem von uns wird das immer gelingen.“

Das Schöne dabei: Keiner vergibt sich wirklich etwas. Es hat ja etwas Befreiendes, auch im Job Mensch unter Menschen sein zu dürfen. Da sind wir wieder nah dran an der Weihnachtsbotschaft. 


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Schlagwörter: Weihnachten

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