Fabrik der Zukunft

Wo die intelligente Produktion der Industrie 4.0 schon Gestalt annimmt

Hannover. Was wäre, wenn man den Gabelstapler im Lager auch mit Gesten und Worten steuern könnte? „Bring diese Palette zu Regal fünf, Fach vier“ – und schon würde er sich in Bewegung setzen?

Was nach Zukunftsmusik klingt, ist bereits ein konkretes Forschungsprojekt – am „Institut für Integrierte Produktion Hannover“ (IPH). „Die Kamera am Gabelstapler erkennt schon den Kopf und die Hände des Menschen“, erklärt Techniker Stefan Lorisch, einer von 49 Mitarbeitern des Instituts. „Derzeit arbeiten wir daran, wie die Daten ausgewertet und in Aktionen umgesetzt werden.“

Das ist nur eines der Projekte aus der Fabrik der Zukunft, an der man hier arbeitet. Auch die Maschinen sprechen sozusagen miteinander, die Förderbänder denken mit, Produkte finden wie von selbst den besten Weg durch die Produktion, und Werkzeuge erkennen ihren Zustand.

„Die Systeme und Daten dafür sind im Prinzip vorhanden“, berichtet der IPH-Geschäftsführer und Maschinenbau-Ingenieur Georg Ullmann. „Die Komponenten müssen nur vernetzt werden und miteinander kommunizieren können.“ Vernetzung ist einer der Schlüsselbegriffe der „Industrie 4.0“, der vierten industriellen Revolution nach der Erfindung Dampfmaschine, Fließband und Computer.

Hinter allen Forschungen am Institut steht das Ziel, Prozesse intelligenter und damit auch flexibler zu gestalten. Ein Beispiel: Wenn man Bauteile mit einem RFID-Funkchip kennzeichnet, lassen sie sich identifizieren und damit gezielt ansteuern. Zudem können darauf Produkt- und Prozessdaten gespeichert werden.

„Solche Technologien einzuführen, ist der erste Schritt“, sagt Ullmann. „Im nächsten Schritt gilt es, Lösungen zu entwickeln, mit denen sich die Daten vernetzen und auswerten lassen – damit sie zum Beispiel für die Logistik nutzbar sind.“

Die Projekte, die das Institut gemeinsam mit Unternehmen bearbeitet und die vom Bund gefördert werden, bieten neue Ansätze für Messtechnik, Werkzeugbau, Produktentwicklung und Maschinensteuerung. Ullmann hofft auf noch steigendes Interesse: „Für viele ist das Thema ein riesiges Puzzle mit vielen Teilen. Aber es fehlt ihnen noch die ‚Roadmap‘, wie man die Teile zusammenfügt.“

Gerade deshalb appelliert er an die Betriebe, sich mit dem Thema zu beschäftigen: „Bei der Vernetzung der Produktion kann die deutsche Industrie noch eine führende Rolle übernehmen – wenn sie sich jetzt bewegt.“

Hintergrund

Institut für Integrierte Produktion Hannover

  • Das Institut für Integrierte Produktion Hannover (IPH), 1988 aus der Uni Hannover heraus gegründet, bietet Forschung und Entwicklung, Beratung und Qualifizierung rund um Prozesstechnik, Automatisierung, Logistik und sogenannte XXL-Produkte.
  • Die 49 Beschäftigten bearbeiten pro Jahr rund 75 Kooperationsprojekte mit Unternehmen aus diversen Industriebranchen.

Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang