Energiewende

Wo der Windstrom herkommt


 

Hamburg. Wie ist eigentlich der Stand in Sachen Offshore-
Windstrom? Unsere Grafik zeigt es. Sie belegt, dass es mit großen Schritten vorangeht: Die Hälfte des Weges ist geschafft, rund 50 Prozent der von der Bundesregierung bis 2020 angepeilten Leistungskapazität von 6.500 Megawatt (MW) werden bis Ende des Jahres installiert sein.

In Zahlen: Nach Angaben der Stiftung Offshore-Windenergie sind in Nord- und Ostsee aktuell elf deutsche Windparks am Netz, zwei weitere sollen bis zum Jahresende folgen. Die Gesamtleistung dieser 13 Parks addiert sich auf 3.300 Megawatt. Rechnerisch reicht das für ein Zehntel der rund 40 Millionen Haushalte in Deutschland.

„Ein voller Erfolg“, so Andreas Wagner, Geschäftsführer der Stiftung. Zurückzuführen sei dies auf die Ökostrom-Finanzierung im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Das EEG, das wegen der Folgekosten für Industrie und Verbraucher nicht unumstritten ist, war 2014 geändert worden, wobei unter anderem eine Verlängerung der hohen Anfangsvergütung für Windstrom bis Ende 2019 beschlossen wurde. Ein weiterer Grund für die aktuelle Entwicklung ist laut Wagner der Fortschritt beim Netzausbau.

Das war nicht immer so, denn eine Zeit lang war es vor allem der Netzausbau, der für Verzögerungen sorgte. In deutschen Hoheitsgewässern baut man Windparks – anders als in den meisten Nachbarländern – weit von der Küste entfernt. Diese Praxis hat optische Vorteile, aber auch den Nachteil, dass man den von den Turbinen erzeugten Wechselstrom für die Reise zum Festland in Gleichstrom umwandeln muss. Anderenfalls wären die Leitungsverluste zu hoch.

Für diesen Job gibt es Konverterplattformen mit Namen wie Borwin, Helwin und Sylwin. Die weltweit stärkste Anlage ist Dolwin beta. Sie hat eine Übertragungskapazität von 916 Megawatt und liegt nördlich von Norderney. Die Station ist ein zentrales Element des Projekts Dolwin 2, das die Windparks Nordsee One, Gode Wind I und Gode Wind II, die unsere Grafik zeigt, ans Stromnetz anbindet.

Deutlich größer als diese Parks ist Bard Offshore 1. Seine 80 Turbinentürme stehen 90 Kilometer nordwestlich der Insel Borkum und damit weiter draußen auf See als alle anderen Offshore-Parks weltweit. Auch hier gab es zeitweilig Probleme mit der Konverterstation, die am Ende zu einer Insolvenz der Bard-Gruppe führten. Mittlerweile jedoch ist der Park wieder am Netz und liefert Strom für rechnerisch etwa 400.000 Haushalte.

In der Ostsee gibt es derzeit nur zwei Windparks. Baltic 1 liefert 48,3 Megawatt und wurde Anfang Mai 2011 in Betrieb genommen, Baltic 2 folgte im September 2015 und hat eine Leistung von 288 Megawatt. Bauherr war in beiden Fällen der süddeutsche Energiekonzern EnBW, der sich für die Finanzierung mit dem australischen Investor Macquarie zusammengetan hatte.

Der dritte Ostsee-Park geht 2017 ans Netz

Ein drittes Projekt ist derzeit im Bau. 30 Kilometer nordöstlich von Rügen entsteht der Windpark Wikinger, der 2017 mit 350 Megawatt ans Netz gehen soll. Bauherr ist der spanische Energiekonzern Iberdrola. Die ersten Pfeiler für den Windpark sollen im Frühjahr 2016 in den Ostseegrund gerammt werden.

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