Marktwirtschaft

WM-Tickets zum Schleuderpreis


So will die Fifa leere Stadien verhindern

Frankfurt. Ein Gespenst geht um in Südafrika: das Geis­terspiel. Vorrunden-Partien der Fußball-Weltmeisterschaft (11. Juni bis 11. Juli) drohen vor leeren Rängen stattzufinden. Bislang blieb der Absatz von Eintrittskarten weit unter Plan. Von „ernüchternden Zahlen“ spricht Horst R. Schmidt, Schatzmeister des Deutschen Fußball-Bundes und WM-Berater für den Weltfußballverband Fifa.

Wohl nie zuvor war es leichter, an Tickets für eine Fußball-WM zu kommen. Von den insgesamt drei Millionen Eintrittskarten gibt es im Internet noch Hunderttausende – zwei Monate vor Turnierbeginn!

Diskriminierung als Konzept

Bei der Fifa glaubt anscheinend niemand mehr daran, die bislang noch leeren Ränge mit Gästen aus Übersee füllen zu können (Bestellen im Web: fifa.com/worldcup/index.html). Um ein Fiasko zu verhindern, haben die Verantwortlichen nun die Notbremse gezogen. Heimlich, still und leise, indirekt und ohne größeren Gesichtsverlust haben sie massiv die Ticket-Preise gesenkt – für einheimische Zuschauer.

Über 400.000 Karten wurden über Nacht zur „Kategorie 4“ umdeklariert. Das heißt: Sie kosten etwa statt umgerechnet 60 nur noch 15 Euro. Im Gegenzug sind diese Tickets nun ausschließlich für Südafrikaner erhältlich.

Die ausländischen Gäste zahlen nach wie vor den alten, also vierfachen Preis. Was den teuer angereisten Fan auf die Palme bringen dürfte, nennen Ökonomen emotionslos „Preis-Diskriminierung“. Verschiedene Preise für das gleiche Angebot – das ist auch in Deutschland gängige Praxis, um für ein Angebot eine höhere Gesamtnachfrage zu schaffen.

Beispiel Kino: Solange der Betreiber damit rechnet, seinen Saal nicht vollzukriegen, schmeißt er genauso mit Billigtickets um sich wie jetzt die Fifa. Die Profiteure halten dann einen Studentenausweis in der Hand und nicht einen südafrikanischen Pass ...

Auch Schwimmbäder oder Bus und Bahn gewähren oft Ermäßigungen für Personengruppen, denen der Normalpreis zu hoch sein könnte.

Wer als zahlungskräftig gilt, soll dagegen ordentlich blechen – auch an die Fifa. Ihr Kalkül: Wenn ein Ausländer die (unverschämt teuren) Flüge zahlen kann und meist auch bei der Übernachtung vor Ort nicht knausert, der hat auch 60 Euro für den Stadion-Eintritt übrig. Der durchschnittliche Südafrikaner dagegen verdient nur 500 Euro netto im Monat.

„Das gibt noch mal Schub“

Ob die Rechnung wirklich aufgeht und die Karten an Einheimische weggehen, entscheidet sich ab dem 15. April. Dann startet der zunächst nicht geplante Verkauf außerhalb des Internets an den Vorverkaufsstellen in Südafrika. „Ich hoffe, das gibt noch einmal richtig Schub“, sagt Fifa-Berater Schmidt.

Artikelfunktionen


'' Zum Anfang