Standpunkt

Wirtschaft ist für die Menschen da

Arbeitgeber sind nicht selbstlos – aber nützlich

Nicht zuletzt wegen Mitgliederschwund fährt die Industriegewerkschaft Metall zunehmend darauf ab, die Ausei­­­nandersetzung zwischen Arbeitnehmern und Arbeit­gebern mit Moralin zu vergiften. Ein aktuelles Beispiel ist die Parole: „Die Wirtschaft sollte für die Menschen da sein, nicht umgekehrt!“

Die Wirtschaft – warum ist sie denn eigentlich da? Doch wohl nur deshalb, weil es für so gut wie jeden seinen Lebensunterhalt erarbeitenden Menschen günstig ist zu tauschen: Nicht alles, was er benötigt, wird er selbst erstellen. Sondern bestimm­te Güter über seinen Eigenbedarf hinaus – und mit dem Überschuss deckt er dann den Bedarf an anderweitigen Gütern.

Wirtschaft ist mithin schon rein begrifflich Lebensgeschäft-Erleichterung für alle und damit für die Menschen da. Es ist Blödsinn zu suggerieren, ökonomische Schwierigkeiten hätten mit einem Mangel an Menschlichkeit zu tun.

Nehmen wir mal an, es gäbe keine Arbeitgeber. Dann müssten alle Menschen rundum auf sich allein gestellt wirtschaften. In der Realität aber erhält man allein dadurch, dass man für einen Arbeitgeber Güter nach dessen Wahl erstellt, letztlich Zugang zu allen möglichen Gütern des persönlichen Bedarfs. Eine Wirtschaft, in welcher viele Menschen dergestalt ihren Lebensunterhalt im Rahmen eines Beschäftigungsverhältnisses erarbeiten können, ist also nicht nur für die Menschen im Allgemeinen da, sondern besonders für Arbeitnehmer.

Anders ausgedrückt: In einer Wirtschaft von Arbeitgebern und Arbeitnehmern wird sehr vielen Menschen die Sorge abgenommen, welche Güter sie wohl erstellen könnten, um sie gegen ihren Eigenbedarf einzutauschen. Und überdies die Sorge, wie man diese Güter technisch herstellen und  an Kundschaft bringen könnte. Um all dies kümmern sich Arbeitgeber.

Nicht um Gottes Lohn freilich – womit wir beim Profit sind. Der seinen Lebensunterhalt erarbeitende Mensch wird es nur dann unternehmen, selbst als Arbeitgeber in die Wirtschaft einzusteigen, wenn er sich davon einen besonders hohen Arbeitsertrag erhoffen darf. Er will absahnen. Dass er nicht einfach so etwas „für die Menschen“ tun will, unterscheidet ihn nicht von seinen Mitbürgern. Der Unterschied liegt darin, dass er vielen Menschen ermöglicht, ihren Lebensunterhalt ungleich bequemer zu erarbeiten, als wenn sie auf sich allein gestellt wären. Mehr zu verlangen, ist fehl am Platz.


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Schlagwörter: Gesellschaft

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