Leitartikel

Wirtschaft braucht ein Klima der Vernunft

AKTIV-Chefredakteur Ulrich von Lampe. Foto: Roth

Ist er noch aufzuhalten? Der Siegeszug des Populismus, der jetzt in dem irrwitzigen Beschluss zum britischen EU-Ausstieg gipfelte, gefährdet die wichtigste Grundlage unseres Wohlstands: eine politische Kultur, in der sich Entscheidungen an Fakten orientieren.

Nur dann gibt es ein gedeihliches Zusammenleben. Und nur dann funktioniert auch die Wirtschaft. Ein Klima der Vernunft ist für Unternehmen genauso lebenswichtig wie für Menschen die Luft zum Atmen. Nicht nur eine erstickende Bürokratie oder Kostenlast kann Betrieben den Garaus machen – sondern eben auch die toxische Wirkung von falschen Wahrheiten und allzu schlichten Botschaften.

Die beiden Wortführer der „Brexit“-Kampagne (die sich inzwischen ja vom Acker machten, weil sie die Folgen ihres Tuns nicht ausbaden wollen) fanden mit unfassbarem Unsinn Gehör. Etwa dass die EU-Mitgliedschaft jede Woche weit über 400 Millionen Euro kosten würde. In Wirklichkeit ist es nur ein Bruchteil davon, und auf der Haben-Seite steht die enge Einbindung in den größten Wirtschaftsraum der Welt.

Fast keiner widersprach – so als könnte man dem Klima der Unvernunft durch Atem-Anhalten begegnen. Das britische Desaster muss Deutschland eine Warnung sein. Solche Typen, die in verantwortungsloser Weise auf Stimmenfang gehen, gibt es auch hier.

Zum Glück mehren sich die Anzeichen, dass Wirtschaftsverbände und Gewerkschaften gegensteuern, auch gemeinsam, etwa im Bündnis „Zukunft der Industrie“. Eine breit angelegte Kommunikationsoffensive für wirtschaftliche Vernunft ist das Gebot der Stunde.


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