Teller statt Tonne!

Wir verschwenden Lebensmittel – das kommt uns teuer zu stehen


Proppenvoll: So mancher Kühlschrank sieht auch im Alltag aus wie vor der großen Party. Foto: dapd

Stuttgart. Nicht zu fassen: Jedes Jahr verschwinden 11 Millionen Tonnen Lebensmittel im Wert von mehr als 20 Milliarden Euro in deutschen Mülltonnen. Am häufigsten landen Obst und Gemüse im Abfall.

Größte Verschwender: Privathaushalte. „Sie sind für über 60 Prozent der Abfälle verantwortlich“, weiß Jakob Barabosz vom Institut für Siedlungswasserbau, Wassergüte- und Abfallwirtschaft der Universität Stuttgart. Erst dann folgen Großverbraucher wie Betriebskantinen und Mensen, der Lebensmittelhandel selbst und die Industrie.

Mindesthaltbarkeit oft falsch interpretiert

Der Abfall-Experte hat in einer kürzlich veröffentlichten Studie das Wegwerfverhalten der Deutschen untersucht. Sein Fazit ist alarmierend: Den Deutschen „fehlt die Wertschätzung für Lebensmittel und das Wissen, wie man mit Nahrung richtig umgeht“.

Das muss besonders die mittlere Generation wieder lernen: Die 30- bis 44-Jährigen werfen laut einer Forsa-Umfrage überdurchschnittlich oft Lebensmittel weg.

„Weil sie zu viel und planlos einkaufen“, so Barabosz. Lebensmittel verschwinden dann im Kühl- oder Vorratsschrank, werden erst zum Wegwerfen wieder hervorgeholt. Pro Kopf der Bevölkerung, vom Baby bis zum Greis, sind es jährlich 82 Kilogramm – das entspricht der Menge von zwei vollen Einkaufswagen im Gesamtwert von 240 Euro.

Vieles davon wäre durchaus noch genießbar. Doch das „Mindesthaltbarkeitsdatum“, das der Gesetzgeber seit über 30 Jahren als Pflichtangabe verlangt, wird oft mit einem Wegwerfdatum verwechselt.

„Wir haben verlernt, die Frische zu beurteilen, deshalb verlassen wir uns auf dieses Datum“, beobachtet Jörg Rosenbauer, Ernährungswissenschaftler und Geschäftsführer der Beratungsgesellschaft TheConsumerView in Bremen. „Doch das Mindesthaltbarkeitsdatum sagt nichts darüber aus, ob man ein Lebensmittel noch essen kann.“

„Eine Familie kann 940 Euro sparen“

Mittlerweile ist auch die Politik aufgewacht. Unter der Überschrift „Zu gut für die Tonne“ hat Verbraucherministerin Ilse Aigner eine Info-Kampagne gegen das Wegwerfen gestartet (www.zugutfuerdietonne.de). „Es ist Zeit für einen Bewusstseinswandel“, sagt sie. Unabhängig davon haben im Oktober alle Parteien im Bundestag eine Vereinbarung zwischen Bundesregierung und Wirtschaft angeregt. Das Ziel: „branchenspezifische Zielmarken zur Reduzierung des Abfalls“.

Ob das den Müll verringert oder durch unsinnige Auflagen bloß die Bürokratie vergrößert, bleibt abzuwarten. Das A und O, meint Abfall-Experte Barabosz, sei jedenfalls die Aufklärung und Information der Verbraucher. Es lohne sich einfach, mal genauer auf den Einkaufszettel und in den Einkaufskorb zu schauen.

„Im Durchschnitt“, so Barabosz, „kann eine vierköpfige Familie im Jahr 940 Euro sparen.“

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Was bedeutet das Mindesthaltbarkeitsdatum? Welcher „Stundenlohn“ ergibt sich, wenn man selbst kocht, statt auf Fertignahrung zu setzen? Wie Sie beim Schlemmen viel Geld sparen können, lesen Sie hier.

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