Export

Wir und China: Eine Hassliebe?


Unsere Maschinenbauer setzen große Hoffnungen in das Reich der Mitte

Frankfurt. Die Stimmung unserer Maschinenbauer ist im Keller. Im Juli bekamen sie im Durchschnitt 43 Prozent weniger Aufträge als ein Jahr zuvor. Viele blicken voller Hoffnung nach China: Dort zieht die Nachfrage nach deutschen Maschinen sogar an, das Land ist im Aufschwung.

Doch wie stark können unsere Firmen davon profitieren? Die EU-Handelskammer in China sieht Rot, und warnt, das Reich der Mitte schotte sich zusehends ab. Der Hintergrund:

China will sein 420 Mil­liarden Euro schweres Konjunkturpaket in die eigene Wirtschaft stecken und nur in Ausnahmen ausländische Produkte kaufen.

Dass dieser Protektionismus zunimmt, spüren hierzulande viele Betriebe. Auch der Strickmaschinen-Hersteller Stoll in Reutlingen (1.000 Mitarbeiter): Prokurist Günther Raitbaur sagt, bis vor kurzem habe China die Einfuhr von Textilmaschinen aus dem Ausland gefördert. Jetzt sei es umgekehrt: „Wir stellen fest, dass die Chinesen mehr ihre eigenen Produkte unterstützen.“

Schlecht: Denn das Land des Drachen ist für die deutschen Maschinenbauer der größte Auslandskunde. Stoll etwa liefert zu 90 Prozent nach China.

Der wichtigste Kunde ist größter Fälscher

Viele produzieren auch dort, wie Heidelberger Druckmaschinen. Das Unternehmen erlebte bei der Messe „China Print“ in Peking einen „erfreulichen Auftragseingang, der auf eine stabilere Situation in diesem Markt hoffen lässt“, sagt Vorstandsvorsitzender Bernhard Schreier. Die Aufträge braucht das Unternehmen auch dringend – der Auftragsbestand hat sich Oktober bis März fast halbiert.

Tückisch: Unser wichtigster Kunde bringt zugleich die meisten Plagiate in Umlauf. Zwei von drei Mitgliedern des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) haben Probleme mit Fälschungen. 71 Prozent von ihnen nennen China als Ursprungsland.

Indes ist China nicht das einzige Land, das neue Handelshemmnisse aufbaut. Die Volksrepublik selbst klagt derzeit die USA an: Sie hatten die Gebühren für Importe aus China drastisch erhöht.

Die Maschinenbauer setzen ganz auf ihre Technologieführerschaft. China sei noch länger auf deutsche Maschinen angewiesen, betont Oliver Wack vom VDMA: „Darin steckt oft jahrzehntelange Innovation. Das lässt sich ­ nicht mal eben in einem anderen  Land  umsetzen.“

Man dürfe sich aber nicht ausruhen, sagt Stoll-Prokurist Raitbaur: „Nur wer die Konkurrenz in China ernst nimmt, wird rechtzeitig reagieren, zum Beispiel mit Innovationen.“

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