Konjunktur

Wir sind wieder da


Bayerns Metall- und Elektro-Industrie erlebt unerwartet starken Aufschwung

Markt Schwaben/Nürnberg. Gewinn, Umsatz, Beschäftigte: Fast jeden Tag korrigiert ein Unternehmen seine Erwartungen für 2010 – und zwar nach oben. Nach der größten Konjunkturkrise in der Geschichte der Bundesrepublik kommt die deutsche Wirtschaft ungewöhnlich schnell wieder in Tritt. Allen voran die bayerische Metall- und Elektro-Industrie. Sie macht verlorenen Boden gut.

Allein im zweiten Quartal 2010 stieg die Produktion der Betriebe um 6,6 Prozent gegenüber den ersten drei Monaten des Jahres. Nach Berechnung der Metallarbeitgeberverbände bayme und vbm ist nun mehr als die Hälfte des Krisen-Einbruchs wettgemacht. Es fehlen aber immer noch 13 Prozent Wachstum zum Ausgangsniveau.

Erst Kurzarbeit, nun Überstunden

Der Ifo-Geschäftsklimaindex der Branche stieg von April bis Juli von 6 auf 27 Punkte. Und neben den Erwartungen der Firmen, die seit Monaten gut sind, fiel auch die Bewertung der aktuellen Lage zum ersten Mal seit Oktober 2008 wieder positiv aus.

Zu den Unternehmen, die wieder mehr Aufträge haben, gehört der Automobil-Zulieferer BDW Technologies in Markt Schwaben bei München. Die Gießerei stellt Aluminium-Gussteile her, etwa für Audi und BMW. „Bei uns geht der Umsatz seit April steil nach oben“, berichtet der geschäftsführende Inhaber Dirk Westerheide.

Im vergangenen Jahr war das Geschäft im Vergleich zu 2008 noch um rund ein Drittel eingebrochen. Für die Beschäftigten in der Produktion war Kurzarbeit angesagt. Doch jetzt machen die Mitarbeiter wieder Überstunden. Ihr Chef rechnet sogar damit, bereits in diesem Jahr den hohen Umsatz von 2008 deutlich zu übertreffen. Er sagt: „Die Krise ist vorbei.“

BDW profitiert davon, dass vor allem die Chinesen den deutschen Autobauern ihre Fahrzeuge derzeit aus den Händen reißen. „Wenn der asiatische Markt einbricht, würden wir schnell wieder auf das Niveau von 2009 rutschen“, meint Westerheide. Aber er glaubt nicht daran: „Den Zug hält niemand auf.“

Dass deutsche Autos wieder gefragt sind, freut auch den Nürnberger Kabelhersteller Leoni. Er erzielt rund 70 Prozent seines Umsatzes mit der Auto-Industrie. „Wir erholen uns deutlich schneller als erwartet“, sagt der Vorstandsvorsitzende Klaus Probst. Für 2010 rechnet das Unternehmen mit einem Umsatzplus von über 20 Prozent.

Und auch im kommenden Jahr soll der Aufwärtstrend weitergehen. Aus diesem Grund erwartet der fränkische Zulieferer, bereits 2011 das Vorkrisenniveau wieder zu erreichen. Überschwänglich wird deswegen aber noch niemand.

Leoni will zwar aufgrund der Auftragslage auch neue Mitarbeiter einstellen. Das soll allerdings zunächst vor allem mit befristeten Verträgen oder auf Basis von Zeitarbeit geschehen.

39 Prozent mehr an Aufträgen

Neues Personal braucht hingegen der Würzburger Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer noch nicht. Aber die Aussichten sind zumindest wieder so gut, dass die Kurzarbeit bald ganz eingestellt werden kann.

Das exportorientierte Unternehmen hatte besonders stark unter der Krise gelitten und 2009 im Vergleich zum Vorjahr rund 31 Prozent des Umsatzes verloren. Im Konzern musste ein Viertel der 8.000 Stellen gestrichen werden. Denn aufgrund von Strukturveränderungen in der Branche wird auch auf längere Sicht mit einem kleineren Weltmarktvolumen für moderne Drucktechnik gerechnet.

Mit dem allgemeinen Aufschwung zieht das Geschäft von Koenig & Bauer allerdings auch seit dem Frühjahr wieder an. In den ersten sechs Monaten des Jahres erhielt das Unternehmen 39 Prozent mehr Aufträge als im Vergleichszeitraum 2009. „Wir sind optimistisch, dass sich die positiven Tendenzen des ersten Halbjahres in den nächsten Monaten fortsetzen werden“, sagt der Vorstandsvorsitzende Helge Hansen. Der Umsatz soll 2010 im Vergleich zum Vorjahr um 7,5 Prozent steigen.

Bis jetzt konnte sich der Druckmaschinenhersteller vor allem auf die Märkte in Asien, Lateinamerika und Afrika verlassen. Ihr Anteil am Umsatz stieg in den ersten sechs Monaten auf 45 Prozent. Die in den Vorjahren bedeutendste Region Europa verlor dagegen an Gewicht: Auf dem eigenen Kontinent erzielte Koenig & Bauer nur noch 43 Prozent der Erlöse.

Michael Stark

 

Info: M+E-Konjunkturumfrage

Die Unternehmen der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie beurteilen die eigene Geschäftslage positiv. Das ergibt die Konjunkturumfrage der Metallarbeitgeberverbände bayme und vbm zur wirtschaftlichen Entwicklung im ersten Halbjahr 2010.

Fast die Hälfte aller befragten Firmen bezeichnet die aktuelle Situation im Inland als gut. Und ebenso viele rechnen mit einer Verbesserung in der Zukunft.

Auch auf den Auslandsmärkten sind die Unternehmen derzeit erfolgreich: Für drei Viertel läuft dort das Geschäft gut. Jedoch erwarten nur 42 Prozent, dass es noch besser werden wird.

Insbesondere die Branchen Automobil und Elektronik haben derzeit viel zu tun. Anders der Maschinenbau: Zwar halten 37 Prozent der Firmen die Geschäftslage für gut. Jedoch bezeichnen sie auch 28 Prozent nur als befriedigend und 35 Prozent sogar als schlecht. Für das zweite Halbjahr 2010 erwarten allerdings 55 Prozent der Maschinenbauer, dass ihr Geschäft anzieht.

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