Agro-Gentechnik

Wir sagen Nein, die anderen Ja


Lässt Europa mit seiner Skepsis Chancen aus?

Köln. Pfiffiger Protest vor dem Landtag, zähes Ringen vor Gericht, kriminelles Zertrampeln von Test-Äckern: Die Gentechnik in der Landwirtschaft („grüne Gentechnik“) hat allerlei Gegner.

72 Prozent der Deutschen und 61 Prozent der Europäer sind laut jüngster EU-Umfrage skeptisch. Zugelassen sind europaweit nur die Kartoffel „Amflora“, die Industrie-Stärke erzeugen soll, und ein genveränderter Mais. Bundesweit wurden letztes Jahr nur auf 0,15 Quadratkilometern Acker Gen-Gewächse angebaut – das ist nur so viel wie 20 Fußballfelder.

Doch was für ein Kontrast: Weltweit wuchsen sie auf 1,48 Millionen Quadratkilometern. Eine Fläche viermal so groß wie Deutschland!

Mehr als 15 Millionen Landwirte machen mit, vor allem in den USA, Brasilien, Argentinien, Indien, Kanada und China. Sie setzten auf Soja, Baumwolle und Mais, die sich zum Beispiel selbst gegen Schädlinge schützen.

„In 15 Jahren keinen Krankheitsfall“

Doch der Glaubenskrieg geht weiter. Für Stephanie Töwe-Rimkeit von der Um­weltorganisation Greenpeace ist die Gentechnik eine „riskante Technologie“. Sie argumentiert im Gespräch mit AKTIV: „Was einmal in der Umwelt ist, ist nur schwer zurückzuholen.“ Und womöglich seien die Pflanzen gesundheitsgefährdend.

Dagegen sagt die Rostocker Uni-Professorin und Genforscherin Inge Broer: „In bisher 15 Jahren Einsatz gab es weltweit keinen einzigen Krankheitsfall. Und nur zwei allergieauslösende Gewächse – die bei den vorgeschriebenen Tests sofort entdeckt wurden und nie auf den Markt kamen.“ Auch die Angst vor wilder Verbreitung hält Broer für übertrieben. „Die gentechnisch genutzten Ackerpflanzen können ohne Pflege nicht dauerhaft überleben.“

Das von der Industrie unabhängige US-Expertengremium „National Research Council“ stellt fest: Die meisten Farmer verdienen mit GenPflanzen besser – und brauchen weniger Schädlingsbekämpfungsmittel. Allerdings warnen die Forscher vor falschem Einsatz: Wenn der Bauer eine Pflanze anbaut, die gegen ein bestimmtes Herbizid resistent gemacht wurde, und dieses Mittel ständig spritzt, dann reagiert die Natur – mit resistentem Unkraut.

Bei der Entwicklung der Gen-Pflanzen tut sich einiges. So liefert ein von den Chemiekonzernen BASF und Monsanto entwickelter Mais auch bei Trockenheit hohe Erträge und trotzt so dem „Klimawandel“. Bayer arbeitet an Pflanzen, die Dünger besser verwerten, was die Umwelt schont.

Und die Rostocker Professorin Broer entwickelt Erbsen, die biologisch abbaubare Kunststoffe erzeugen. Sie sagt:„Die Deutschen werden merken, dass sie große Chancen auslassen, wenn sie auf die grüne Gentechnik verzichten.“

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