Euro-Land

Wir helfen – trotzdem!


Das Drama um die Griechen und ihre Schulden

Berlin/Athen. Massendemos mit antideutschen Parolen, dazu bizarre Meldungen über andauernde Verschwendung (Renten an Verstorbene, 90.000 Euro Jahresgehalt für den Pförtner einer Staatsfirma)! Und jetzt noch einmal, wie schon vor einem Jahr, rund 100 Milliarden Euro für die Griechen?

Ohne neue Kredite von EU und Internationalem Währungsfonds ist das Land pleite. Aber Fakt ist: Es spart, trotz aller Negativ-Schlagzeilen, wie ein Weltmeister.

Ein Fünftel weniger Einkommen

„In den letzten 25 Jahren hat kein anderes Industrieland sein strukturelles Defizit so stark gesenkt“, sagt Eckard Wurzel, Experte der Pariser Denkfabrik OECD, zu den Sparpaketen der letzten 14 Monate. Das sei „enorm“, nur wegen der tiefen Rezession im Land brauche Athen trotzdem frisches Geld aus dem Ausland. Die aktuellen Einschnitte kosteten den Durchschnittsgriechen ein Fünftel des Einkommens.

Kann man es ihm da übel nehmen, wenn er mal auf die Demo geht? „Teile der griechischen Elite deuten die eigenen Probleme zu einem Angriff von außen um“, erklärt Martin Knapp von der deutschen Handelskammer in Athen. Also kriegen auf den Kundgebungen auch Angela Merkel und andere Politiker aus Euro-Land ihr Fett weg – weil sie nur helfen wollen, wenn noch mehr gespart wird.

Und es wird. Zudem dürfte der Staat einen Gutteil seines Vermögens verkaufen – das mit geschätzten 300 Milliarden Euro so groß ist wie die Schulden. „Griechenland ist kein Fass ohne Boden“, urteilt daher Jürgen Stark, der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank. Immerhin kommt Irland, wo wir ebenfalls helfen, langsam schon wieder auf die Füße, sodass unser Geld am Ende wohl doch nicht futsch ist.

Deutschlands Ex-Finanzminister Hans Eichel gibt zu bedenken: „Vor 100 Jahren stellte Europa ein Viertel der Weltbevölkerung, in 100 Jahren noch 5 Prozent – nur wenn wir zusammenstehen, können wir uns behaupten.“

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