Tarif-Abschluss

„Wir haben im Abschwung Verantwortung gezeigt“

Real-Einkommen und Lebensstandard werden gesichert

AKTIV: Die Kautschuk-Industrie hat gute Jahre hinter sich. Geht der Tarifabschluss da weit genug?

Schmidt: Ich bin sehr froh, dass unsere Unternehmen in den vergangenen Jahren erfolgreich waren. Denn dies hat uns ermöglicht, die Arbeitnehmer am Aufschwung zu beteiligen, sei es über Lohnsteigerungen, sei es über viele neue Arbeitsplätze, sei es über zusätzliche Ausbildungsplätze.

Jetzt allerdings ändern sich die Zeiten – und zwar dramatisch. Die Kautschuk-Industrie ist von Jahresmitte 2008 an geradewegs in den Abschwung gerutscht. Mit unserem Tarifabschluss zeigen wir Verantwortung.

AKTIV: Worin sehen Sie die wichtigsten Eckpfeiler dieses Abschlusses?

Schmidt: Der Tarifvertrag gibt den Betrieben für 15 Monate Planungssicherheit. Für die Mitarbeiter bedeutet das Ergebnis, dass wir mit einer dauerhaft wirkenden Tabellenerhöhung von 2,5 Prozent und 1,3 Prozent im Juli ihr Realeinkommen und ihren Lebensstandard sichern. Ganz wichtig ist uns, dass wir einen Abschluss erzielt haben, der es unseren Firmen ermöglicht, viele Arbeitsplätze im Abschwung zu halten.

AKTIV: Was heißt das konkret?

Schmidt: Betrieben, denen es wirtschaftlich schlecht geht, haben die Möglichkeit, die Tariferhöhung bis zum April nächsten Jahres zu schieben. Das gibt ihnen Luft, um in diesen schwierigen Zeiten nicht noch weitere Belastungen hinnehmen zu müssen.

Solche Öffnungsklauseln im Tarifabschluss sind besonders wertvoll. Vergessen wir nicht: Mehr als 70 Prozent der Unternehmen der Kautschuk-Industrie sind Automobilzulieferer. Sie bekommen den Absturz der Konjunktur mit voller Wucht zu spüren.

AKTIV: Außerdem gehört zum Tarifabschluss, dass die Kassen vom Verein zur Beschäftigungsförderung (VzB) gefüllt werden.

Schmidt: Der VzB Kautschuk hat sich in der Vergangenheit sehr bewährt. Mit dem Zuschuss von 4 Millionen Euro ermöglichen wir, dass weiterhin viele Mitarbeiter dank unserer Prämie leichter den Übergang vom Berufsleben in die Rente gehen können.

Immerhin haben wir in den letzten Jahren deutlich mehr als 1100 Vorruheständlern helfen können. Der Verein hilft außerdem Mitarbeitern in sozialen Notlagen. Wenn sie beispielsweise unverschuldet in Arbeitslosigkeit rutschen. Nicht zu vergessen die Unterstützungsprämien für angehende Auszubildende, denen notwendige Kenntnisse für die Berufsausbildung fehlen.

Info: Tarifergebnis in der deutschen Kautschuk-Industrie

2,5 Prozent ab November, weitere 1,3 Prozent ab Juli ‘09

Mehr Geld für die Mitarbeiter der Kautschuk-Industrie! Die Tarifpartner der deutschen Kautschuk-Industrie einigten sich auf ein Schlichtungsergebnis.

Danach erhalten die rund 30.000 Beschäftigten der Branche  2,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt ab dem 1. November 2008 und ab dem 1. Juli 2009 weitere 1,3 Prozent. Die Ausbildungsvergütungen werden vom 1. Januar 2009 an um 25 Euro in allen Ausbildungsjahren erhöht.

Für die Monate September und Oktober 2008 haben sich die Tarifpartner darauf verständigt, keine Erhöhung der Entgelte vorzunehmen. Außerdem: Betriebe können bei wirtschaftlichen Schwierigkeiten die Erhöhung um 2,5 Prozent bis zum 1. April 2009 verschieben.

Die weitere Erhöhung der Entgelte um 1,3 Prozent, so die Öffnungsklauseln, kann frühestens ab dem 1. April 2009 durchgeführt werden.

Die Laufzeit beträgt 15 Monate, vom September 2008 bis zum 30. November 2009. Außerdem haben sich die Tarifpartner darauf geeinigt, dem Verein zur Beschäftigungsförderung in der Kautschuk-Industrie 4 Millionen Euro zuzuführen.


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