Textilindustrie

Willkommen in Russland!


„High-Tex from Germany": Moskauer Sonderschau öffnet das Tor zu einem lukrativen Markt

Männer in weißen Overalls machten sich im vergangenen Sommer am maroden Kanalsystem der deutschen Botschaft in Moskau zu schaffen. Über der Erde bemerkten Passanten nichts, unterirdisch rumorte und dampfte es.

Die geheimnisvollen Arbeiten sind keine Agenten-Anekdote. Sondern ein Beispiel für moderne Textiltechnik aus Deutschland. Die Männer waren Kanalsanierer und arbeiteten mit Filzschläuchen der Vereinigten Filzfabriken Giengen (VFG). Mit ihrem grabungslosen Verfahren, das die Schwaben Mitte März auf der Moskauer Sonderschau „High-Tex from Germany“ vorstellten, haben sie die unzähligen Risse in den Rohren verschlossen.

Erste Kontakte sind geknüpft

Bei dieser Technik schmiegen sich in Harz getränkte, flexible Nadelfilzschläuche an die Innenwand der Rohre. Ein Auftrag, der Eindruck machte auf potenzielle Auftraggeber. „Es gibt schon erste Interessenten, die mit ihrer Technik und unseren Produkten weitere Kanalsanierungen vornehmen wollen“, sagt Peter Holl, Produktmanager bei VFG.

So weit wollen die meisten der mehr als 50 deutschen Sonderschau-Aussteller erst noch kommen. Für sie ging es darum, Kontakte zu knüpfen. Es waren aber auch schon markterfahrene Unternehmen, wie der Emsdettener Vliesstoff-Hersteller TWE vor Ort.

„Wir hatten insgesamt um die 50 Kontakte. Dazu gehörte nicht nur die Automobil- und Bekleidungsindustrie. Auch die Fil-trationsbranche war vertreten“, so Jonas Ortmeier, zuständig für den Verkauf bei TWE. Die Münsterländer stellen Vliesstoffe für verschiedene Anwendungsgebiete her. Die werden in Automotive-Bereich und bei Bau- und Heimtextilien eingesetzt.Jetzt ginge es darum, die neuen Verbindungen zu bewerten. Ortmeier: „Wir prüfen gerade, wie die Qualität der Kontakte einzuschätzen ist.“ Wie ernsthaft mancher Messebesuch gemeint war, will auch MEP-OLBO aus Fulda erst einmal herausfinden.

Zeit lassen bei Verhandlungen

Der Spezialist für technische Fäden bei Antriebs- und Steuerriemen hat die Zuliefer-Industrie im Visier. Er stellt auch Schwergewebe für Gummifördergurte her. „Mittlerweile haben wir eigene Vertreter vor Ort, die den Markt für uns sondieren“, erklärt Geschäftsführer Harry Keuler.

Ob Neuling oder auf dem Markt aktiv: In Russland braucht man Geduld. Denn Russen lassen sich bei Verhandlungen gern Zeit. VFG-Mann Peter Holl: „Die Messe war ein Türöffner für uns. Jetzt müssen wir erst mal weitersehen.“

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