O weh, ein Reh!

Wildunfälle: Wann zahlt welche Versicherung?

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Auf der Fahrt durch ein Waldstück springt plötzlich ein Reh vors Auto. Das passiert immer wieder. Circa 240.000 Wildunfälle ereignen sich jedes Jahr auf deutschen Straßen, so der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Während der Brunftzeit der Tiere im Herbst sowie frühmorgens und abends im Dämmerlicht ist es besonders kritisch. Viele Autofahrer wissen nicht, wie man sich nach einem Zusammenprall mit Reh & Co. richtig verhält.

Versicherungsschutz gilt nur für Haarwild

Die meisten Gesellschaften beschränken den Versicherungsschutz auf sogenanntes Haarwild. Das heißt, sie kommen für den Schaden nur dann auf, wenn der Fahrer beweisen kann, dass sein Wagen beispielsweise mit einem Hirsch, Reh, Wildschwein oder Feldhasen zusammengeprallt ist. Eine genaue Auflistung der Tiere ist nachzulesen im Bundesjagdgesetz, Paragraf 2, Absatz 1. Manche Versicherer erweitern den Schutz auf Hunde, Schafe und Kühe.

Auch die Kollision mit einem auf der Straße liegenden Wildkadaver zählt als Wildunfall. Es ist nicht Voraussetzung, dass das Tier zum Zeitpunkt des Zusammenstoßes noch lebt.

In der Regel gilt: Die Teilkasko zahlt, wenn es zum Zusammenstoß zwischen fahrendem Auto und Tier gekommen ist. Schäden durch ein Ausweichmanöver sind dagegen nicht automatisch gedeckt, sondern nur, wenn die Reaktion angemessen war – weil etwa die Kollision mit einem mächtigen Hirsch oder Keiler droht und durch das Ausweichen größerer Schaden am Fahrzeug vermieden werden kann.

Anders sieht es dagegen in der Vollkasko-Versicherung aus. Hier sind bei Wildunfällen sowohl Zusammenstoß als auch selbst verschuldete Schäden durch Ausweichmanöver am eigenen Fahrzeug versichert.

Unfall mit Eichhörnchen nicht versichert

Oft entscheidet die Größe des Tiers: Eine Autofahrerin, die mit ihrem Wagen einem Eichhörnchen ausgewich und dadurch ins Schleudern kam, blieb auf den Unfallkosten sitzen (Landgericht Coburg, 23 O 256/09, 29.6.2010). Auch ein Fuchs berechtigt nach Ansicht des Landgerichts Trier nicht zum Ausweichen. Vielmehr handelte der Fahrer grob fahrlässig und ging ein zu hohes Risiko ein, um das Tier zu retten, entschied das Gericht den Fall. Die Versicherung musste nur 40 Prozent der Reparatursumme ersetzen (4 O 241/09, 3.2.2010).

Motorrad darf ausweichen

Übrigens: Ein Motorradfahrer darf jedem Tier ausweichen. Weil das Zweirad weniger stabil ist als ein Auto, muss er bei einem Zusammenstoß immer befürchten, wegzurutschen.

Tipps für den Notfall

Wie kann man Wildunfälle verhindern und was ist zu tun, wenn es doch passiert ist? Die Sparkassenversicherung und D.A.S. Rechtsschutz geben dazu Tipps: Auf Warnschilder für Wildwechsel achten und in Waldstücken gerade in der Dämmerung bremsbereit sein. Läuft Wild auf die Fahrbahn, abblenden, hupen – und damit rechnen, dass noch weitere Tiere der Herde aus dem Dickicht auftauchen.

In Fahrertrainings, etwa dem Wild & Wetter-Training des ADAC Fahrsicherheitszentrums in Hansa/Lüneburg, lernt man, wie man das Unfallrisiko durch Wildwechsel verringert und richtig reagiert, wenn ein Aufprall nicht verhindert werden kann.

In dem Fall gilt: Unfallstelle sichern und die Polizei rufen, auch wenn das angefahrene Tier weggelaufen ist. Die Beamten verständigen den Revierförster und können zudem eine Wildbescheinigung ausstellen, ein wichtiges Beweismittel zur Vorlage bei der Versicherung. Wenn möglich, sollte man Fotos machen, das erleichtert die Aufklärung des Unfalls. Blut und Haare erst vom Auto entfernen, nachdem ein Gutachter es gesehen hat.

Auf keinen Fall sollte man auf die Idee kommen, das überfahrene Wild mitzunehmen. Das ist Wilderei und strafbar nach Paragraf 292 im Strafgesetzbuch.


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