Erderwärmung

Wieder mehr Klimagas: Wer ist schuld?


Dessau. Die Dürre in den USA und der strenge Winter bei uns – der Klimawandel bringt beides hervor. „Je wärmer die Arktis ist, desto eher kann es hierzulande zu Frostperioden kommen“, erklärt Klimaforscher Ralf Jaiser vom Al­fred-Wegener-Institut in Potsdam. Kein Grund also, beim Klimaschutz nachzulassen, doch genau danach sieht es aus: Um 2 Prozent, so das Umweltbundesamt in Dessau, stieg letztes Jahr unser Ausstoß des wichtigsten Treibhausgases Kohlendioxid (CO2).

12 Prozent der Energie liefern Wind, Sonne & Co.

Mit 814 Millionen Tonnen CO2 stehen für 2012 immerhin 16 Millionen Tonnen mehr in der Bilanz als 2011. Und das, obwohl erneuerbare Quellen wie Wind und Sonne schon 12 Prozent der gesamten Energie in Deutschland lieferten. Was läuft da schief? Und wer ist schuld?

Den größten Anstieg gab es bei den Braunkohle-Kraftwerken. Sie emittierten 5,1 Prozent mehr CO2 – unter anderem deshalb, weil im rheinischen Neurath zwei neue 1.000-Megawatt-Blöcke anliefen, aber nicht in gleichem Maße Kapazität stillgelegt wurde.

Den zweitgrößten Zuwachs, um 3,4 Prozent, verursachten die Steinkohle-Kraftwerke. Ein Grund: „Amerika exportiert mehr billige Steinkohle, weil es selbst wieder mehr Erdgas fördert“, so das Umweltbundesamt. Aufgrund dieses Preissignals erzeugten die Energieversorger mehr Strom aus Steinkohle und weniger in den – für die Klimabilanz günstigeren – Gaskraftwerken.

Mitverantwortlich für die Ausweitung der Braun- und Steinkohleverstromung sind auch die „Verschmutzungsrechte“.

Diese an der Börse handelbaren Zertifikate, die die Kraftwerke entsprechend ihres CO2-Ausstoßes mit der Behörde abrechnen müssen, sind zurzeit sehr billig. „Das macht Kohlestrom so lukrativ“, sagt Martin Cames, Experte für Klimapolitik beim Öko-Institut in Berlin. Die EU-Kommission will europaweit 900 Millionen Zertifikate aus dem Markt nehmen, damit ihr Preis wieder steigt. Das Pro­blem: Der Marktpreis bei den Ausstoß-Rechten tangiert nicht nur die Stromhersteller, sondern auch die deutsche Industrie – die zum Anstieg des CO2-Ausstoßes nichts beigetragen hat, ihn im Gegenteil um 1,4 Prozent senkte.

Die Industrieverbände sind besorgt: Sie sehen die Wettbewerbsfähigkeit energieintensiver Betriebe in Branchen wie Stahl, Metall und Chemie gefährdet und verweisen auf insgesamt 875 000 Arbeitsplätze. Hans-Jürgen Kerkhoff, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, warnt: „Wir können derzeit keine Zusatzlasten tragen.“

Mehr CO2 emittierten übrigens auch die Haushalte.  „Wegen des kalten Winters haben die Leute mehr geheizt“, so das Umweltbundesamt. Beim Verkehr gingen die Emissionen leicht zurück.

Trotz des kleinen Rückschlags hat unser Land die Verpflichtung, die es 1997 auf dem Weltklimagipfel von Kyoto einging, übererfüllt. 2012 sollte unser Klimagas-Ausstoß 21 Prozent niedriger liegen als 1990. Es waren 25,5 Prozent. Ein Anschlussvertrag ist freilich nicht in Sicht.

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