Wenn die Rente nicht reicht

Wie viel Unterhalt müssen Erwachsene für ihre Eltern zahlen?


Unmissverständlich: Erwachsene Kinder tragen Verantwortung für die ältere Generation. Foto: fotolia; Montage: Roth

Wer für Angehörige zahlen soll, hat Anspruch auf Freibeträge

Zwei Millionen Menschen in Deutschland sind pflegebedürftig. Ihre Zahl wächst. Gleichzeitig steigen die Kosten für die Betreuung. Ein Platz im Altenheim kann bis zu 5.000 Euro im Monat kosten. Rente, Pflegeversicherung und das Ersparte der Senioren reichen dafür oft nicht. Dann müssen Sohn und Tochter ran.

Haus-Kredit wird angerechnet

„Eltern haften für ihre Kinder.“ Dieser Satz – bekannt von den gelben Warnschildern an Baustellen – gilt beim Elternunterhalt umgekehrt. Zwar springt zunächst das Sozialamt ein, um Unterbringung und Pflege der Bedürftigen zu sichern. Die Behörde aber holt sich das Geld dann von den erwachsenen Kindern zurück.

„Dabei gibt es allerdings Obergrenzen“, so der Fachjurist Martin Wahlers. Der Staat will die jetzt arbeitende Generation nicht so stark belasten, dass sie nicht genug für sich selbst vorsorgen kann – und dann wiederum ihren Kindern zur Last fällt.

Wie viel man zum Unterhalt der Eltern beisteuern muss, hängt vom „bereinigten Einkommen“ ab. Berechnet wird das so: Zum Bruttogehalt werden Einnahmen, etwa aus Vermietungen oder Geldanlagen, hinzugezählt. Steuern und Sozialbeiträge wiederum werden abgezogen.

Den so errechneten Betrag darf jedes unterhaltspflichtige Kind um einen Selbstbehalt mindern. Der ist für Ausgaben wie Miete, Kleidung oder Lebensmittel bestimmt. Singles dürfen 1.500 Euro im Monat behalten (seit 1.1.2013: 1.600 Euro), Familien 2.700 Euro (neu: 2.880 Euro.) Von der Hälfte des Betrags, der vom Einkommen dann noch übrig bleibt, darf das Sozialamt Unterhalt verlangen.

Beispiel: Ein Sohn hat ein bereinigtes Einkommen von 2.200 Euro. Davon zieht er 1.500 Euro Selbstbehalt ab. Bleiben 700 Euro Überschuss. Die Hälfte davon, also 350 Euro, muss er monatlich ans Sozialamt überweisen.

„Der Selbstbehalt ist nicht in Stein gemeißelt“, erklärt Fachmann Wahlers in dem neuen Ratgeber „Elternunterhalt“. Wer einen Kredit für sein Eigenheim abbezahlt, wer die Ausbildung seiner Kinder finanziert oder geschieden ist und bereits Unterhalt für Ex-Partner und Nachwuchs entrichtet, muss entsprechend weniger für die betagten Eltern aufbringen.

Viele Bescheide stimmen nicht

Außerdem steht jedem für die eigene Altersvorsorge ein Freibetrag in Höhe von 5 Prozent seines Einkommens bis zur Rente zu.

Wer glaubt, dass er zu Unrecht zur Kasse gebeten wird, hakt besser nach. „Man kann es niemandem verübeln, wenn er die Forderung der Behörde hinterfragt“, so Wahlers. Denn die Kinder der Pflegebedürftigen trifft es oft zu einer ungünstigen Zeit. Wenn sie selbst noch kleine Kinder haben, wieder in den Beruf einsteigen oder ihrerseits ans Alter denken müssen.

Zudem stimmen viele Zahlungsbescheide nicht, weil darin Extrabelastungen wie Kosten für die Fahrt zur Arbeit oder die Kinderbetreuung nicht berücksichtigt sind.

Wahlers Tipp: Wer mit dem berechneten Unterhalt nicht einverstanden ist, sollte das Gespräch mit dem Amt suchen. Stellt sich die Behörde stur, hilft oft nur der Gang zum Fachanwalt.

Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang