Standpunkt

Wie viel Profit darf’s denn sein?

Investoren schaffen Jobs. Aber nur, wenn das Risiko sich lohnt

Angesichts der Banken-Krise in Amerika wird nun schon das Rendite-Streben als solches in Zweifel gezogen. Wie viel soll denn okay sein? „Die Menschen müssen wieder darauf vertrauen können“, meint zum Beispiel der rheinland-pfälzische Landesvater und ehemalige SPD-Vorsitzende Kurt Beck, „dass ihr Betrieb mit 10 Prozent Rendite nicht einfach plattgemacht wird, weil man woanders 15 Prozent Gewinn rausquetschen kann.“ Das sei ein „Grundversprechen dieser Gesellschaft“.

Wirklich? Wer sollte je, und mit welcher Berechtigung, „versprochen“ haben, dass Arbeitsplatz-Finanzierer auf ein Drittel ihres möglichen Einkommens verzichten? Und warum ist hierzulande die Umsatzrendite, also der Gewinn je 100 Euro verkaufter Ware, im Schnitt nur knapp halb so hoch wie in Spanien, England oder der Schweiz, die auch nicht gerade Billiglohn-Länder sind?

Die Spitzenlöhne sind eben nicht der einzige Standortnachteil. Ein leistungsfeindliches Kündigungsrecht und eine bürokratische Betriebsverfassung kommen hinzu. Schließlich wurde noch das Aufsichtsratswesen der großen Aktiengesellschaften zum Ort des Abgleichs von Eigentümer- und Arbeitnehmer-Interessen umgebogen – und die Aufsicht der Eigner über das Management untergraben.

Und manchmal wird es richtig bunt: Bernd Osterloh,  der Chef des VW-Betriebsrats, hält es für verdienstvoll, dass sein Gremium zu prüfen geruht, ob das Unternehmen in den USA siedeln darf. Erleichtert nehmen wir zur Kenntnis, dass die Einrichtung von Außenstellen erlaubt sein kann, ihre Unterlassung demnach noch nicht zu den „Grundversprechen dieser Gesellschaft“ gehört.

Da wir nun schon in Wolfsburg sind: Ex-Arbeitsdirektor Peter Hartz, den die „Mitbestimmung“ ins Topmanagement von Europas größtem Autohersteller gebracht hatte, wollte dort „personifizierte Beschäftigungssicherung“ sein. Bis zu einer gewissen Grenze gern auch zulasten der Rendite: „Messlatte ist, dass die Anteilseigner besser behandelt werden, als wenn sie ihr Geld auf die Bank trügen.“

Mit um die 4 Prozent sollen Investoren also zufrieden sein. Während auswärts das Doppelte, Dreifache zu haben ist. Da erscheint es in der Tat dringlich, bessere Alternativen als die Sparkasse konsequent zu verbauen.

Dann könnten die Gewerkschaften wirklich unbesorgt um Beschäftigung in die Renditen schneiden – und „unser gutes Recht auf Streik“ raushängen. Die Verantwortung für den Standort trägt ja die Gegenseite. Und hat daher stillzuhalten.


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Schlagwörter: Entgelt Europa

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