Rohstoffe

Wie viel ist noch drin?


Was die Erde birgt, genügt noch für viele Generationen

Hannover. Ob’s um die Laufzeit der deutschen Atomkraftwerke geht, um die Höhe der Solar-Subventionen oder um den Bau von neuen Erdgas-Pipelines: Wo unsere Energieversorgung berührt wird, ist politischer Streit nicht weit.

Das zeigt sich in diesen Wochen wieder verstärkt – tüftelt doch die Bundesregierung gerade am großen „Energiekonzept“. Wer da mitreden will, der muss wissen, was sich eigentlich noch alles so aus der Erde holen lässt.

„Das Öl wird uns nicht ausgehen“

Besonders gut informiert ist die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover (BGR). Akribisch bereitet sie Daten aus aller Herren Länder auf, bewertet sie, rechnet sie um. Die Zahlen und Fakten auf dieser Seite stammen aus dem aktuellen BGR-Papier über „Reserven, Ressourcen und Verfügbarkeit“.

Das Fazit der Studie klingt nur halbwegs beruhigend: „Die globalen Reserven an Energierohstoffen lassen – mit Ausnahme des konventionellen Erdöls – längerfristig eine ausreichende Deckung des Energiebedarfs erwarten.“

Was das Öl betrifft, bleibt Professor Manuel Frondel vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung in Essen dennoch gelassen: „Das Öl wird uns in den nächsten Jahrzehnten nicht ausgehen“, sagt er, „es ist nur eine Frage des Preises.“

Frondel verweist auf „enorm gesteigerte Explorationsaktivitäten“ und riesige „nicht-konventionelle“ Vorräte wie etwa Ölsande in Kanada. „Da ist sehr viel Potenzial auf der Angebotsseite.“ Ähnlich sieht das auch beim Erdgas aus: „Das Angebot hat sich erhöht“, weiß Frondel, „aufgrund des technischen Fortschritts lässt sich nun nicht-konventionelles Erdgas kostengünstig erschließen.“

Selbst die Suche nach dem klassischen Bodenschatz Koh-le ist zuletzt intensiviert worden, so eine Studie der BGR: „Es ist nicht erkennbar, dass ohne die Kohle eine Energieversorgung der Welt für die kommenden Jahrzehnte gewährleistet werden kann.“ Und Frondel erinnert daran, dass man aus Kohle Sprit machen kann: „China ist drauf und dran, diese Technologie, die Kohleverflüssigung, in großem Maßstab anzuwenden.“ Dabei werde sich China  kaum Vorschriften von Klimaschützern machen lassen.

„Der Nordpol bietet Potenzial“

Geht es um Rohstoffe, hat aus Frondels Sicht selbst die Erderwärmung ihr Gutes. „Auch der Nordpol bietet Potenzial, wenn durch den Klimawandel der Zugang zu den dortigen Bodenschätzen einfacher wird.“ Auf ganz lange Sicht sieht der Wissenschaftler die Menschheit sowieso auf der sicheren Seite: „Solange wir die Sonne haben, geht uns das Licht nicht aus.“

Übrigens: Einen nennenswerten Anteil an den weltweiten Vorräten hat Deutschland bei genau einem Energie-Rohstoff – immerhin 15 Prozent aller Braunkohle-Reserven liegen bei uns im Boden.


URAN

Australiens Schatz

Wo ist es ganz normal, dass Jahr um Jahr viel mehr verbraucht als gefördert wird? Bei Uran, dem Treibstoff für rund 440 Kernkraftwerke weltweit: Fast ein Drittel des heutigen Bedarfs wird mit Secondhand-Material gedeckt – etwa aus verschrotteten Atomwaffen.

Was brauchen wir?

Pro Jahr sind global etwa 65.000 Tonnen nötig.

Wie viel gibt es?

Die heute wirtschaftlich förderbaren Reserven ergeben 1,8 Millionen Tonnen, weitere 3,7 Millionen Tonnen sind schon bekannt.

Wo liegt es?

Australien birgt 40 Prozent der rentabel gewinnbaren Vorkommen. Beutende Lagerstätten gibt es auch in Kanada, Kasachstan, Brasilien und Südafrika.

ERDGAS

Anteil steigt weiter an

Nach Erdöl und Kohle ist Erdgas die Nummer drei – mit 24 Prozent Anteil am weltweiten Primärenergieverbrauch. In den vergangenen Jahren gab es hohe Steigerungsraten, die sich fortsetzen dürften.

Was brauchen wir?

Mit 3.174 Milliarden Kubikmetern erreichte die Welt-Erdgasförderung 2008 ihren bis dahin ermittelten Höchstwert.

Wie viel gibt es?

Das weltweite Gesamtpotenzial an konventionellem Erdgas wird auf 516 Billionen Kubikmeter geschätzt.

Wo liegt es?

Der europäische Gasmarkt wird hauptsächlich von Russland, Nordafrika, Norwegen und den Niederlanden versorgt, Asien unter anderem durch die Golf-Staaten. Nord- und Südamerika haben eigene Ressourcen.


ERDÖL

Reserven wachsen noch

Wenn es um Öl geht, fällt oft das Stichwort „Versorgungslücke“. Mindestens bis zum Jahr 2023 aber werden noch Zuwächse erwartet, bei Ölsanden bis 2035.

Was brauchen wir?

Die jüngste Statistik verzeichnete für 2008 einen Rückgang des weltweiten Verbrauchs um 37 Mt (Megatonnen) auf 3910 Mt (1 Mt = 1 Million Tonnen).

Wie viel gibt es?

Ende 2008 wurde ein Gesamtpotenzial an konventionellem Erdöl von 405 Gt (Gigatonnen) ausgewiesen, 5 Gt mehr als 2007 (1 Gt = 1 Milliarde Tonnen).

Wo liegt es?

Auf den Nahen Osten entfallen 64 Prozent der Weltreserven, je 11 Prozent auf Russland und Afrika. Zuwächse gab es zuletzt in Brasilien und Westafrika.

KOHLE

Unverzichtbar

Ein Brennstoff ist weltweit in solchem Überfluss zu finden, dass er der Menschheit wohl noch für ein paar Hundert Jahre Energie liefern kann: Kohle. Und je höher der Ölpreis steigt, desto mehr erinnert man sich an ein schon 1913 in Deutschland erfundenes Verfahren zur Sprit-Gewinnung – die Kohleverflüssigung.

Was brauchen wir?

7 Gigatonnen pro Jahr.

Wie viel gibt es?

1.000 Gigatonnen gelten als wirtschaftlich abbaubar, weitere 20.000 Gigatonnen sind bekannt oder vermutet.

Wo liegt die Kohle?

Sehr große Staaten haben auch sehr viel Kohle im Boden: die USA, China, Russland, Indien, Australien.

 

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