Kontrovers

Wie viel Ethik verträgt Wirtschaft?


Niveauvolle Diskussion beim „Herrenhäuser Forum“

Hannover. Banken werden mit Milliarden gerettet, während Menschen verhungern, vielerorts gibt es Kinderarbeit, oder Alte rackern bis zum Umfallen. Fehlt den Märkten die Moral? Oder wird über Menschen, die durchaus legitimen Firmen-Interessen folgen, wohlfeil die Moralkeule geschwungen? Solchen Fragen hat sich jetzt das „Herrenhäuser Forum“ in Hannover genähert – mit starker Besetzung.

„Entscheidend ist die Ordnung“

Unter dem Motto „Wie viel Ethik verträgt die Wirtschaft?“ hatten der Arbeitgeberverband NiedersachsenMetall, der Industrie-Club Hannover und die Volkswagen Stiftung in die Galerie Herrenhausen geladen. Doch vom Philosophen Richard David Precht (46) bis zum früheren SPD-Politiker Klaus von Dohnanyi (83) fassten alle Teilnehmer den Moral-Begriff mit spitzen Fingern an. „Entscheidend ist nicht, wie viel Ethik die Wirtschaft braucht, sondern wie viel Ordnung“, gab Dohnanyi zu bedenken.

So sei es zu der seit 2008 andauernden Finanzkrise nicht durch schlechten Charakter der Akteure gekommen, sondern weil es für die Finanzmärkte keine vernünftigen Regeln gegeben habe. Dohnanyi: „Die Märkte sind nicht unmoralisch, sondern ungeordnet, die gilt es neu zu ordnen.“

Ingo Pies, Professor für Wirtschaftsethik an der Universität Halle, formulierte seine Warnung vor zu viel realitäts­fernem Gutmenschentum so: „Die vornehmste Aufgabe der Ethik ist es, vor dem Moralisieren zu warnen.“ Und Professor Meinhard Miegel, der einst mit Kurt Biedenkopf zu den Vordenkern der CDU gehörte, fragte skeptisch: „Kann Wirtschaft moralisch sein?“

Petra Ledendecker, Präsidentin des Verbands deutscher Unternehmerinnen, hielt freilich dagegen. „Beim Mittelstand gab es keine Krise wie im Finanzmarkt“, sagt die 57-jährige Firmenlenkerin aus Melle. Sie ist überzeugt: „Der Mittelstand ist durchaus moralisch, sonst wäre er nicht erfolgreich.“

Daniel Alexander Schacht

 

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