Atomkraft

Wie viel darf’s denn sein?


Die Politik am Drücker: Sie sagt Ja zur Atomkraft – aber nur als Brücken-Technologie. Foto: getty

Jetzt wird über verlängerte Laufzeiten verhandelt

Berlin. Es geht los: In den nächsten Wochen berät die Regierung mit den Kernkraftwerk-Betreibern Eon, RWE, EnBW und Vattenfall über längere Laufzeiten. Noch glauben viele, dass bei diesem  Reizthema bis zu der wichtigen Wahl in Nordrhein-Westfalen (am 9. Mai) gemauert wird. Hans-Peter

Keitel, Chef des Industrie-Dachverbandes BDI, hält überraschend dagegen.

Eine schnelle Einigung über die künftige Energie-Politik, meint er, könne „eine Kernenergie-Debatte eher beruhigen als anfachen“.

Die neue Koalition aus Union und FDP will den einst von Rot-Grün verkündeten Atomausstieg nämlich gar nicht prinzipiell kippen. Nur verzögern. Die Perspektive sei jetzt sogar radikaler als früher, betont Umweltminister Norbert Röttgen: „Im Gegensatz zu uns haben Gerhard Schröder und Joschka Fischer nicht den Anspruch formuliert, die Energie-Erzeugung bis 2050 nahezu vollständig auf erneuerbare Quellen umzustellen.“

Neubauten sind kein Thema

Für dieses Ziel soll enorm viel Geld fließen. 193 Milli­arden Euro Extra-Gewinn könnten die Stromversorger einfahren, hat der Bremer Energiewirtschaftler Professor Wolfgang Pfaffenberger für das Magazin „Capital“ errechnet. Dabei hat er allerdings unter anderem unterstellt: Die Meiler laufen nicht nur 32 Jahre, sondern gleich 60 Jahre, wie etwa in den Niederlanden und den USA.

Den „wesentlichen Teil der Gewinne aus der Laufzeitverlängerung“, darauf haben sich Union und FDP verständigt, soll der Staat kassieren – und das Geld in erneuerbare Energien stecken.

„Die Industrie wird darauf drängen, dass aber auch die staatlichen Belastungen der Strompreise sinken“, heißt es  im BDI. „Schließlich sind für die Industrie, die in Deutschland fast die Hälfte des Stroms verbraucht, Energiekosten ein wichtiger Wettbewerbsfaktor.“ Sie zahlt mehr für Strom als die meisten  Wettbewerber in Europa.

Bei 2 der 17 Meiler wäre nach bisheriger Rechtslage in wenigen Monaten Schluss. „Wir dürfen nicht Fakten schaffen, die wir später bereuen“, heißt es weiter. Und: „Die Industrie braucht Planungssicherheit.“ Aber keine Grabenkämpfe. „Neubauten sind definitiv nicht Gegenstand der Diskussion.“

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