Euro-Rettung

Wie stark ist der Hebel?


Ein alter Grieche war’s: Archimedes formulierte vor mehr als 2.000 Jahren die bis heute gültigen Hebelgesetze. Repro: dpa

Die Schulden-Feuerwehr wird schlagkräftiger

Aufregende Wochen liegen hinter der Euro-Zone: Als letzter Staat hat die Slowakei der Stärkung des Rettungsschirms zugestimmt – im zweiten Anlauf. Und die Griechen sind nun offenbar bereit, sich aus dem Schuldensumpf ziehen zu lassen – unter einer neuen Regierung. Die Zeit, in der ein Krisengipfel den nächsten jagte, könnte vorbei sein. Anlass für ein Zwischenfazit:

Wie groß ist der Schirm, was soll das mit dem Hebel – und wie teuer kann es für Deutschland werden?

Rettungsfonds mit Spitzen-Rating

Beschlossen ist nun, das wichtigste Instrument zu stärken: den Rettungsfonds „EFSF“ (Europäische Finanzstabilisierungsfazilität). Diese 2010 gegründete Zweckgesellschaft mit Sitz in Luxemburg wird von dem Deutschen Klaus Regling (61) geführt. Die EFSF darf Anleihen ausgeben, um mit dem Geld kriselnden Staaten Kredit zu geben. Sie kann aber auch Staatsanleihen kaufen und Banken stützen.

Das neue EFSF-Volumen: 780.000.000.000 Euro, für die alle Euro-Staaten anteilig einstehen. Aktuell sind es aber nur 726 Milliarden – weil Irland, Griechenland und Portugal selbst unter dem Rettungsschirm sitzen.

Deutschland bürgt für bis zu 211 Milliarden Euro (rund 2.600 Euro pro Kopf), dem hat der Bundestag zugestimmt. Allerdings ist diese oft zitierte Zahl nur ein Nennbetrag. Zinsen & Co. sind stets außen vor, weil ihre Höhe ja noch keiner kennen kann.

Würde die EFSF nun nur direkte Kredite vergeben, wäre schon bei 440 Milliarden Euro Schluss. Das liegt daran, dass eine massive „Übersicherung“ nötig ist, damit die EFSF selbst die wichtige Bestnote der ­Ratingagenturen bekommt. Um das Volumen zu erhöhen, will man es nun noch „hebeln“, also am Finanzmarkt vergrößern.

Die einfachste Variante ist eine Art Versicherung. Am Beispiel erklärt: Ein kriselnder Staat braucht 5 Milliarden Euro – und die EFSF bürgt für 20 Prozent der neuen Anleihen, also 1 Milliarde Euro. Können die Anleihen am Markt platziert werden, steht zwar diese Milliarde im Feuer – der Krisenstaat hat aber das fünffache Volumen zur Verfügung.

Der Haken an der Sache: Gibt es später trotzdem eine Staatspleite mit beispielsweise 50-prozentigem Schuldenschnitt, ist das ganze EFSF-Geld weg. Bei einem direkten Kredit hätte der Rettungsfonds dagegen nur die Hälfte seines Einsatzes verloren.

Größeres Risiko für Deutschland

Die (inzwischen grundsätzlich gebilligte) Hebelei erhöht also nicht die Kosten, die womöglich auf Deutschland zukommen. Aber sie erhöht eben doch das Risiko, dass diese Kosten fällig werden.

Immerhin: Aktuell flüchtet viel Geld in sichere Staatsanleihen. Deutschland kann seine neuen Schulden deswegen zu extrem niedrigen Zinssätzen aufnehmen. Was uns die ganze Euro-Krise am Ende gekostet oder sogar gebracht haben wird – das wird ein kniffliger Fall für die Wirtschaftshistoriker.

Info: ESM

Mitte 2013 löst eine dauerhafte Einrichtung den eilends geschaffenen Krisenfonds EFSF ab: der „Europäische Stabilitätsmechanismus“ (ESM). Geplantes Volumen: 700 Milliarden Euro. Deutschland trägt davon 27 Prozent – 22 Milliarden als ESM-Eigenkapital und 168 Milliarden Euro über Bürgschaften.

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