Euro-Rettung

Wie stabil ist unser Geld?


Die Europäische Währungsunion steht unter Druck – aber Panik ist fehl am Platz

Rettungspakete für Griechenland und andere Staaten, Kursverluste gegenüber dem Dollar: 54 Prozent der Bundesbürger haben jetzt „große Angst, dass die Preise steigen“, so eine Umfrage der Illustrierten „Stern“. Wird der Euro zur Weich-Währung? Professor Michael Hüther leitet das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW).

AKTIV: Kriegen wir etwa bald Inflation?

Hüther: Nein, die kriegen wir nicht. Es gibt keinen Grund für die Hysterie, die derzeit von einigen Kommentatoren entfacht wird. Die Europäische Zentralbank in Frankfurt hat bisher einen hervorragenden Job gemacht. Seit Einführung des Euro-Bargelds lag die Teuerungsrate in Deutschland im Schnitt bei nur 1,6 Prozent.

AKTIV: Aber nun soll die Zentralbank ja die Griechen retten.

Hüther: Dass sie in den letzten Wochen massiv Staatsanleihen von Griechenland und anderen in Bedrängnis geratenen Euro-Ländern aufgekauft hat, ist in der Tat ein Thema, das Sorge macht. Der Beschluss wurde Anfang Mai in einer Situation gefällt, als die Anleihen-Märkte auszutrocknen drohten – und letztlich die Kreditversorgung der Betriebe in Gefahr war.

AKTIV: Der Chef der Deutschen Bundesbank wurde überstimmt ...

Hüther: Er hat die Dinge  anders gewichtet. Aber von der Verschwörungstheorie, es gäbe da ein Komplott gegen die deutsche Stabilitätskultur, halte ich nichts. Aus Brüssel ist zu hören, dass die Initiative zu der Aufkauf-Aktion nicht von Politikern ausging, sondern von der Europäischen Zentralbank selbst. Ihr Präsident, der Franzose Jean-Claude Trichet, wäre auch in der D-Mark-Zeit ein guter Währungshüter für unser Land gewesen.

AKTIV: Was soll denn Herr Trichet jetzt tun?

Hüther: Die Europäische Zentralbank muss das Geld, das sie zur Abwehr der Euro-Krise in den Markt gegeben hat, wieder herausziehen. Das geht über viele Stellschrauben in ihren alltäglichen Transaktionen mit der Finanzwelt. Technisch ist das kein Problem.

AKTIV: Und politisch?  

Hüther: Wer jetzt Inflation an die Wand malt, sagt damit eigentlich, dass er der Europäischen Zentralbank in der Zukunft nicht die Unabhängigkeit und Eigenständigkeit aus der Vergangenheit zutraut. Das  ist  nicht  mein  Bild.

AKTIV: Sehen Sie denn gar keinen Druck an der Preisfront?

Hüther: Weder beim Ein­kaufen noch beim Blick auf die Frühindikatoren, die Aufschluss über den künftigen Trend geben. Die Geldmenge ist trotz aller Rettungspakete der letzten Jahre nicht über­mäßig gewachsen, wir haben von daher keinen Druck im System. Und die „inflationsindexierten“ Anleihen, bei de­nen die Rückzahlungen automatisch entsprechend der allgemeinen Teuerung steigen, ent­wi­ckeln sich nicht erkennbar anders als die Kurse normaler Anleihen – sie müssten besser laufen, wenn die Märkte In­fla­tion  erwarten  würden.

Auch die Prognosemodelle, die das Angebot und die Nachfrage auf Märkten nachbilden, zeigen keine Gefahr. Warten Sie’s ab: 2011 reden wir über die Stabilität unseres Geldes und über die Zukunft des Euro schon gelassener.

AKTIV: Wie teuer werden die Griechen-Kre­dite für Deutschland?

Hüther: Die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau überweist bis 2012 insgesamt  22 Milliarden Euro an Athen. Das Geld wird mit 5 Prozent verzinst, während wir uns selbst zu 3 Prozent verschulden – das ist erst mal kein schlechtes Geschäft. Nach dem, was in Griechenland in Gang gekommen ist und was auch andere Staaten ge­schafft haben, gibt es gute Chancen, dass das Geld auch voll zurückkommt.

AKTIV: Und der Euro-Rettungsschirm?

Hüther: Da bürgt Deutschland, mit insgesamt bis zu 123 Milliarden Euro, für Kredite anderer Euro-Länder. Bei allen Konflikten, die sich dort mit den nun anlaufenden Sparprogrammen verbinden: Wahrscheinlich wird von diesem Rahmen in nächs­ter Zeit nicht mal was beantragt – geschweige denn wirklich eingefordert.

AKTIV: Haben Sie einen Moment gedacht, der Euro ist am Ende?

Hüther: Nein.

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