Chance Zuwanderung

Wie sich Betriebe um Fachkräfte aus der Ferne kümmern


Offiziell Deutsche: 2011 ließen sich 107.000 Ausländer einbürgern. Foto: dpa

Köln. Jeder fehlende Ingenieur oder Informatiker kostet die deutsche Wirtschaft 230.000 Euro Umsatz im Jahr. „Allein in den Berufen rund um Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik gab es Ende letzten Jahres einen Mangel von 120.000 Spezialisten“, sagt Thomas Sattelberger, Chef von „MINT Zukunft schaffen“.

Während diese Initiative von Verbänden, Wissenschaftseinrichtungen und Unternehmen in Deutschland um Nachwuchs für technische Berufe wirbt, setzen die Betriebe zusätzlich verstärkt auf Fachkräfte aus der Ferne.

Und die kommen. Allein unter der halben Million Zuwanderer im ersten Halbjahr 2012 dürfte der Anteil der Akademiker über 40 Prozent betragen.

Beim erfolgreichen Start der Zuwanderer überlässt zum Beispiel der Industrieklebstoffhersteller Delo in Windach bei München (320 Mitarbeiter) nichts dem Zufall. „Wir stellen jedem neuen Kollegen einen Mentor zur Seite“, sagt Personalleiterin Caroline Tomassetti. Der guckt nicht nur, ob alles Notwendige für den ersten Arbeitstag bereitliegt. „Er hilft auch bei alltäglichen Problemen im Job“, so Tomassetti. Zusätzlich stärken Ausflüge mit einheimischen Kollegen das Wir-Gefühl.

Gut ankommen: Wie Unternehmen die Neuen erfolgreich integrieren können, erklärt die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA) in ihrem Leitfaden „Willkommenskultur“.

Menschen aus 80 Nationen arbeiten Hand in Hand in einem Unternehmen

Alexander Böhne, BDA-Experte für betriebliche Personalpolitik, betont: „Hinter dieser Kultur muss der ganze Betrieb stehen.“ Um das zu erreichen, könne man etwa das Verständnis für andere Kulturen in den Zielvereinbarungen für die Mitarbeiter festhalten.

„Wissen hilft“, sagt Kai Teckentrup, Chef der gleichnamigen Firma im westfälischen Verl, die Türen und Tore herstellt. So informieren E-Mails die Belegschaft über religiöse Feste aus aller Welt. Denn zu den 850 Mitarbeitern des Familienunternehmens zählen Muslime, Mennoniten und orthodoxe Christen. Zudem wurden die Betriebsanweisungen leicht verständlich übersetzt. „Hubförderwagen“ heißt „Ameise“ und „Gehörschutz“ ist „Micky Maus“.

Der Software-Konzern SAP setzt unter anderem auf firmeninterne Netzwerke bei der Integration. Dort engagieren sich die Zuwanderer selbst, wie der Amerikaner Michael Shea. „Einmal in der Woche sitze ich mit anderen Landsleuten in der Kantine“, sagt der Software-Experte. Und weil in der Zentrale im badischen Walldorf 12.500 Menschen mit fast 80 Nationalitäten arbeiten, gibt es mehrere solcher Stammtische.

Daraus entstand das Netzwerk „Cultures@SAP“. Es organisiert Feste und hat einen Leseklub ins Leben gerufen. „Das Unternehmen unterstützt uns“, sagt Shea. „Aber wir sind eine Graswurzel-Bewegung, von Mitarbeitern für Mitarbeiter.“

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