Befehle aus dem All

Wie Satelliten unseren Alltag bestimmen

Modellansicht eines modernen Navigationssatelliten im All. Foto: dapd

Wettervorhersage, Katastrophenschutz, Fernsehen oder Flugverkehr: „Ohne Satelliten wäre unser modernes Leben undenkbar“, erklärt Flugzeugbau-Ingenieur Andreas Schütz, Pressesprecher beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Köln.

Das war noch vor fünfzig Jahren ganz anders. Erst 1957 - mitten im Kalten Krieg - schossen die Russen den ersten Satelliten ins All, um der Welt ihre technologische Überlegenheit zu demonstrieren. Der neue Himmelskörper hieß Sputnik (Begleiter) und konnte gar nichts, außer zu piepen und damit die Amerikaner zu ärgern.

Rasante Entwicklung

Danach ging die Entwicklung rasant weiter: Mitte der 1960er Jahre gab es die ersten Wettersatelliten, kurz darauf die ersten für Forschungszwecke. „In den Anfangsjahren gingen sehr viele Entwicklungsimpulse vom Militär aus, inzwischen geht die zivile Forschung allerdings eigene Wege“, sagt Schütz.

Heute gibt es Satelliten für die unterschiedlichsten Anwendungsbereiche. Viele werden kommerziell von privaten Unternehmen betrieben. Die Anschaffungskosten beginnen bei 500.000 Euro und sind für große Konzerne durchaus zu wuppen.

Gut vernetzt

Die bekanntesten Kommerziellen sind Kommunikationssatelliten wie beispielsweise Astra oder Eutelsat. Fallen sie aus, bekommen wir echte Probleme. Nicht nur Sat-TV und -Radio wären tot, auch die Kabelbetreiber holen ihre Signale vom Himmel. Nur die terrestrische Ausstrahlung über DVBT würde teilweise noch funktionieren.

Auch die Wirtschaft würde kaum noch laufen: Viele Handyverbindungen und natürlich das Internet gehen nämlich über Satellit. „Auch die Kommunikation von Militär oder Polizei wäre empfindlich gestört“, so Andreas Schütz.

Verkehrskontrolle

Navigationssatelliten wie beispielsweise GPS oder Galileo dagegen haben andere Aufgaben: Sie sorgen für die korrekte Positionsbestimmung auf der Erde. Dabei geht es nicht nur um das Navi im Auto oder die Ortung des Handys. „Ohne Navigationssatelliten würde ein Verkehrschaos ausbrechen“, erklärt der Ingenieur.

Am Flughafen sorgen die Piepser aus dem All nämlich für die richtige Taktung der vielen Flieger. Im Schiffsverkehr helfen sie dabei, 500 m lange Supertanker mit kilometerlangen Bremswegen sicher zu navigieren.

Ohne Satelliten würde auch der Güterverkehr zusammenbrechen, weil die Speditionen die Standorte ihrer LKW nicht mehr koordinieren könnten. Die Folge: Ohne ausreichenden Nachschub der Brummis wären Supermarktregale leer, stünden viele Bänder still.

Außerdem würden die Lichter ausgehen: Die Zeittaktung, die man braucht, damit die Stromversorgung stabil läuft, kommt nämlich ebenfalls von oben.

Forschung im All

Wissenschaftliche Satelliten dienen wie der Name schon sagt in erster Linie Forschungszwecken. Ein typisches Beispiel sind Wettersatelliten. „Moderne Modelle arbeiten auch auf Radarbasis und können die Erdoberfläche auch bei schlechtem Wetter oder nachts sehen“, sagt Schütz.

Die Aufnahmen helfen nicht nur bei der Wettervorhersage, sondern auch beim Katastrophenschutz. Wie bewegen sich Orkane? Welche Straßen sind nach Erdbeben oder Überschwemmungen überhaupt noch benutzbar? Heutzutage bekommen die Rettungskräfte beim Einsatz topaktuelle Bilder auf ihre Handys gespielt. So sehen sie sofort, wie sie die Opfer am besten erreichen können. Inzwischen kann man sogar zentimetergenaue 3-D-Bilder von der Erdoberfläche machen - wichtig, um beispielsweise die Höhe von Flutwellen zu bestimmen.

Teure Forschung

Die Infos aus dem Weltraum helfen außerdem bei der Erforschung des Klimawandels und vieler anderer Fragen. Solche umfangreichen Projekte kosten bis zu 1,3 Milliarden Euro. Diese gigantischen Summen werden meist von mehreren Staaten gemeinsam aufgebracht.

Momentan umrunden etwa 3.000 der künstlichen Himmelskörper die Erde, circa 1.000 von ihnen sind aktiv. Keine Angst, das führt nicht zu kosmischem Gedränge. „Satelliten kreisen in verschiedenen Höhen zwischen 500 und 36.000 km. Es ist genug Platz“, beruhigt Schütz.

Hoch auf den Friedhof

Rund drei bis acht Jahre sind die Erdtrabanten im Einsatz, danach geht´s ab auf den Weltraumfriedhof, der mehr als 45.000 km weit weg ist. „Moderne Satelliten sind mit Triebwerken ausgestattet, um sie in diesen so genannten Friedhofsorbit zu schießen wo sie bis in alle Ewigkeit weiterkreisen“, erklärt der Experte.

Ältere Modelle dagegen haben diese Möglichkeit noch nicht. Sie zerbrechen beim Wiedereintritt in Stücke und verglühen in der Atmosphäre. Nur sehr selten kommen einzelne Teile auf der Erde an, wie beispielsweise 2007 in der australischen Wüste.

Vor Horrorszenarios à la Hollywood muss man aber trotzdem keine Angst haben. Die meisten Bruchstücke landen nämlich im Meer. „Mir ist nicht bekannt, dass bislang irgend jemand durch Weltraumschrott oder Meteoriten verletzt worden ist“, erklärt Andreas Schütz.

Meteoriten sind übrigens wesentlich häufiger als abstürzende Satellitenteile: Jedes Jahr kommen zwischen 60 bis 90 Tonnen dieser Steinbrocken zu uns runter und bringen uns als Sternschnuppen ein kleines Stück vom Glück.


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