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Besondere Autokennzeichen und Policen

Wie Oldtimer-Besitzer bei Steuern und Versicherungen viel Geld sparen können

Fahren und sparen: Mit einem H- oder 07-Kennzeichen können Oldtimer-Fans einiges an Kfz-Steuern sparen. Spezielle Versicherungstarife schonen den Geldbeutel zusätzlich. Was man dafür berücksichtigen muss, erklären wir hier.

Foto: dpa

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Die Deutschen lieben Fahrzeuge mit langer Geschichte. Schätzungsweise 850.000 Autos mit mehr als 30 Jahren auf dem Buckel werden hierzulande bewegt. Laut dem Verband der Automobilindustrie hatten Anfang 2017 rund 381.000 davon den Buchstaben H auf dem Kennzeichen, der für „Historisches Fahrzeug“ steht – das waren 163 Prozent mehr als noch zehn Jahre zuvor. Dennoch machen Oldtimer nur einen winzig kleinen Teil des heutigen Fahrzeugbestands aus.

Das H-Kennzeichen ist unter anderem so beliebt, weil sich damit viel Geld sparen lässt. Aber es gibt noch weitere Stellschrauben, um die Unterhaltskosten für sein altes Blech zu senken. Oldtimer-Experte Jürgen Cüpper vom ADAC Nordrhein erklärt, wie es geht.

Steuern sparen mit dem H-Kennzeichen

Wer einen historischen US-Straßenkreuzer mit Acht-Zylinder-Motor und fünf Litern Hubraum sein Eigen nennt, müsste tief in die Tasche greifen, würde er den Wagen wie ein normales Auto zulassen. „Die Kfz-Steuern würden normalerweise rund 2.000 Euro im Jahr betragen“, sagt Cüpper. Und um die Umweltzonen müsste der Wagen mangels Katalysator ebenfalls einen großen Bogen machen. Hat ein Oldtimer hingegen ein H-Kennzeichen, fallen pauschal 192 Euro pro Jahr Kfz-Steuern an – egal, um welches Fabrikat es sich handelt.

Der weitere Vorteil: Autos mit H-Kennzeichen dürfen auch ohne Katalysator in die Umweltzonen der Innenstädte fahren. Das H-Kennzeichen sei aber nicht nur für Besitzer von Oldtimern mit besonders großen Motoren interessant, erklärt Cüpper: „Auch wer einen einfacheres Fahrzeug wie etwa einen Alfa Romeo Spider mit zwei Litern Hubraum besitzt, darf sich über Steuer-Vergünstigungen freuen.“ Denn auch in diesem Fall wären ohne H-Kennzeichen mehr als 192 Euro im Jahr fällig.

Der Weg zum H-Kennzeichen

„Ohne bestimmte Voraussetzungen kann der Oldtimer nicht zugelassen werden“, so Cüpper. Dazu gehört unter anderem eine Bestätigung der Versicherung, dass das Fahrzeug mindestens haftpflichtversichert ist. Die größte Hürde ist aber die Bescheinigung einer Kfz-Prüfstelle, dass die Bedingungen für ein H-Kennzeichen erfüllt sind.

Voraussetzung Nummer eins: Das Auto muss mindestens 30 Jahre alt sein und die Zustandsnote 3 erfüllen (gebrauchter Zustand, aber ohne große technische und optische Mängel). Da mit dem H-Kennzeichen das automobile Kulturgut gefördert werden soll, muss sich das Fahrzeug zudem in einem originalgetreuen Zustand befinden.

An- und Umbauten seien zwar möglich, sagt Cüpper, müssten aber zeitgenössisch, also schon während der Bauzeit des Autos möglich gewesen sein. Luftfilter, Auspuffblenden, Felgen und anderes Zubehör aus der Zeit nach dem Ende der Bauzeit würden nicht akzeptiert: „Auch eine nicht zeitgenössische Lackierung kann zum Ausschluss führen“, so Cüpper.

Wer sich unsicher sei, sollte schon vor dem Kauf einen Experten beauftragen, der die Originalität des geliebten Blechs bescheinigt. Die anschließende Prüfung zum H-Kennzeichen kostet ab 50 Euro und wird von Organisationen wie dem ADAC, dem TÜV, der GTÜ oder der Dekra angeboten.

Wie andere Pkws auch müssen Oldtimer alle zwei Jahre zur Hauptuntersuchung, wo erneut beleuchtet wird, ob die Voraussetzungen für das H-Kennzeichen erfüllt sind. Laut Cüpper gibt es nur eine Gruppe historischer Automobile, die mit der herkömmlichen Zulassung günstiger fahren als mit dem H-Kennzeichen: Kleinwagen mit weniger als 500 Kubikzentimeter Hubraum. Dazu zählten etwa der Fiat 500 oder der Messerschmitt Kabinenroller aus den 1950er Jahren.

Noch günstiger: das H-Kennzeichen als Saison-Kennzeichen

Bei der Kfz-Steuer kann zusätzlich gespart werden, wenn das H-Kennzeichen als Saison-Kennzeichen beantragt wird, das Auto also nur in einer festgelegten Zeit im Jahr gefahren werden darf. Dieser Zeitraum umfasst mindestens zwei und maximal elf Monate, kann frei gewählt werden und wird auf dem Nummernschild vermerkt. Die Kfz-Steuer wird entsprechend angepasst.

Wer zum Beispiel sein Auto für vier Monate im Jahr angemeldet hat, zahlt nur ein Drittel der sonst üblichen Summe, also etwa 64 Euro. Das Saison-Kennzeichen in Verbindung mit dem H-Zusatz gibt es erst seit wenigen Monaten.

Für Oldtimer-Sammler: das rote 07-Kennzeichen

Das rote Kennzeichen mit der „07“ hinter der Ortskennung ist vor allem für Oldtimer-Sammler interessant. Die Kfz-Steuer beträgt auch hier pauschal 192 Euro, dafür handelt es sich um ein Wechselkennzeichen, mit dem abwechselnd mehrere alte Fahrzeuge bewegt werden dürfen, sofern sie die Voraussetzungen erfüllen, die auch für das H-Kennzeichen gelten.

Der Nachteil des Wechselkennzeichens im Vergleich zum H-Kennzeichen: Das Fahrzeug darf nur zu bestimmten Zwecken genutzt werden. „Das sind Probefahrten, Wartungs- und Überführungsfahrten und Fahrten zu Oldtimertreffen und -ausfahrten“, erklärt Cüpper. Alltagsfahrten seien nicht erlaubt.

Sämtliche Bewegungen müssten zudem in einem Fahrtenbuch eingetragen werden. Für die Erteilung eines 07-Kennzeichens gelten jedoch in den Bundesländern unterschiedliche Regelungen. In NRW könne es beispielsweise vorkommen, dass der Halter ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen müsse, so Cüpper: „Denn das 07-Kennzeichen wird nicht auf das Auto ausgegeben, sondern auf den Halter.“

Günstige Oldtimer-Versicherung

So ziemlich jede Versicherung habe vergünstigte Oldtimer-Tarife im Programm, erklärt Cüpper. Das gelte sowohl für die Haftpflicht, als auch für Teil- und Vollkasko. „Denn die Versicherungen unterstellen, dass man mit Oldtimern viel pfleglicher umgeht als mit einem normalen Auto.“ Mit den Oldtimer-Tarifen ließen sich etwa 20 bis 30 Prozent gegenüber einer normalen Kfz-Versicherung sparen, so der ADAC-Experte. „Es gibt auch Versicherungen für Wenigfahrer und Leute mit Garage oder einem Alltagsauto“, sagt Cüpper: „Dann wird es noch mal günstiger.“

Allerdings verlangten die Anbieter vor Abschluss einer Police in der Regel ein Gutachten, aus dem hervorgeht, wie viel das Auto vor einem Unfall oder einem Diebstahl wert war und in welchem Zustand es sich befand. Bei einem Diebstahl oder wirtschaftlichen Totalschaden bilde dieser Wert die Basis für die Schadensregulierung. Außerdem richte sich auch die Versicherungsprämie nach dem Wert des Oldtimers.

Für die reine Haftpflicht-Versicherung genügt in der Regel ein sogenanntes Kurzgutachten, das ebenfalls von Prüforganisationen wie TÜV, GTÜ, ADAC oder Dekra ausgestellt wird und etwa 100 Euro kostet. Umfangreichere Gutachten, die etwa auch die Geschichte des Autos dokumentieren, kosten bis zu 400 Euro. Sie werden vor allem für die Teil- und Vollkasko-Versicherung benötigt.

„Viele Versicherer haben einen eigenen Gutachter oder arbeiten mit Prüf-Organisationen zusammen“, so der Oldtimer-Experte. Laut Cüpper sollte das Gutachten etwa alle zwei Jahre erneuert werden. Denn in der Regel steige der Wert eines Oldtimers. Ohne aktuelles Gutachten werde dieser Wertzuwachs im Ernstfall nicht berücksichtigt.

Besitzer eines alten Wagens sollten zudem darauf achten, dass die Teilkasko-Versicherung eine sogenannte Ruheversicherung umfasse. Bei einem Saison-Kennzeichen sei das Auto dann auch in der zulassungsfreien Zeit versichert. Als Erweiterung des Kasko-Schutzes biete sich unter Umständen eine All-Risk-Versicherung an, die unter anderem Hochwasser- und Feuerschäden sowie Vandalismus abdecke. „Diese Policen sind jedoch relativ teuer, und die Bedingungen würde ich mir sehr genau durchlesen.“


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