Leitartikel

Wie man Ökostrom vernünftig fördert

AKTIV-Chefredakteur Ulrich von Lampe. Foto: Roth

Jede vierte Kilowattstunde Strom in Deutschland stammt mittlerweile aus erneuerbaren Energien – im Jahr 2000 war es jede vierzehnte. Der Staat hat den Ausbau vor allem von Windrädern, Sonnendächern und Biogasanlagen ähnlich besinnungslos finanziert wie einst den Aufbau Ost nach dem Fall der Berliner Mauer. Koste es, was es wolle.

So was nennt man wohl ein politisches Machtwort. Für die sogenannten „historischen“ Projekte zahlt letztlich immer der Bürger die Zeche – deshalb ist es wichtig, dass die Belastung wenigstens irgendwann ausläuft. Und siehe da: Während der Solidaritätszuschlag (Aufkommen 2014: 15 Milliarden Euro) offenbar bis zum Sankt Nimmerleinstag fließt, deutet sich bei der Ökostrom-Umlage (24 Milliarden Euro) zaghaftes Umdenken an.

Die aus dieser Umlage bezahlte Förderung der grünen Energie, das kam jetzt bei den Koalitionsverhandlungen raus, könnte endlich wirkungsvoll gedeckelt werden. Und ab 2018 sollen neue Hilfen per „Ausschreibung“ vergeben werden.

Das bedeutet: Die Politiker legen dann nicht mehr fest, wie viele Cent pro Kilowattstunde zugebuttert werden. Sondern einfach bloß, wie viel zusätzlichen Ökostrom sie haben wollen. Jeder Investor kann sich um Förderung bewerben – wer pro Kilowattstunde am wenigsten Zuschuss braucht, kommt zum Zuge. Das lenkt das knappe Geld in die günstigste Technik am günstigsten Standort. Ökonomen empfehlen diese marktwirtschaftliche Förderung seit Jahrzehnten.

Der Systemwechsel ist noch halbherzig: So wollen Union und SPD ab 2016 erst mal eine Testphase organisieren. Nur wenn sie wirklich Mut zum Wettbewerb zeigen, wird unser Strom bezahlbar bleiben.


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