IAA Nutzfahrzeugmesse 2016: Hightech für Brummis

Wie Innovationen aus der Chemie schwere Lkws immer weiter verbessern

Hannover. Hier schlagen nicht nur die Herzen der Trucker höher, sondern auch die kühler Rechner und IT-Freaks: Unter dem Motto „Ideen sind unser Antrieb“ präsentieren rund 2.000 Aussteller ihre Neuheiten vom 22. bis 29. September auf der 66. IAA Nutzfahrzeuge in Hannover. Viele Innovationen haben ihre Wurzeln in der Chemie, wie die drei folgenden Beispiele zeigen.


1. Effizient unterwegs

Hier fängt es an: Blick in die Kautschukproduktion. Foto: Lanxess
Hier fängt es an: Blick in die Kautschukproduktion. Foto: Lanxess

Hohe Spritkosten sind für die Logistikbranche pures Gift: Die Fahrzeuge müssen rentabel unterwegs sein. Deshalb suchen Forscher nach effizienteren Motoren, neuen Antriebskonzepten, Bremsenergierückgewinnung oder aerodynamischeren Designlinien. Ein Schlüsselfaktor sind jedoch immer die Reifen: „Der Knackpunkt ist der Rollwiderstand, besonders bei schweren Brummis“, erklärt Matthias Gotta, Leiter Global Sales und Marketing beim Elastomerspezialisten Arlanxeo. „Bis zu 40 Prozent ihres Kraftstoffs sind nötig, um ihn zu überwinden.“

Hier zeigen Hochleistungskautschuke ihre Stärke. Sie sorgen für mehr Kraftstoffeffizienz und Elastizität sowie eine höhere Riss- und Abriebfestigkeit. Der Chemiekonzern Lanxess hat sich mit dem Ölriesen Saudi Aramco zusammengetan und im April dieses Jahres das neue Gemeinschaftsunternehmen Arlanxeo gegründet, der deutsche Sitz des Unternehmens ist in Dormagen. Arlanxeo liefert Hochleistungskautschuke für sogenannte „Grüne Reifen“, was den Rollwiderstand um bis zu 4 Prozent mindert, so eine Studie der Technischen Universität München.

Und in der Praxis? Chemielogistiker Talke in Hürth wollte es wissen und schickte unter Aufsicht vom Tüv Rheinland zwei baugleiche Fahrzeuge 40.000 Kilometer auf die Piste. Ergebnis: Grüne Reifen sparen 8,5 Prozent Treibstoff! Jetzt rüstet Talke seinen Fuhrpark um.

Auch die Umwelt profitiert durch den verringerten Ausstoß von Kohlendioxid (CO2). Der französische Reifenhersteller Michelin (fünf Standorte in Deutschland) will mit optimierten Pneus bis 2030 rund 30 Millionen Tonnen CO2-Emissionen vermeiden, so Vorstandschef Jean-Dominique Senard. Laut einer Studie des Weltverkehrsforums wird sich das weltweite Verkehrsaufkommen bis 2050 vervierfachen.

2. Dialog Mensch-Maschine

Display auf der Scheibe: Das gibt’s jetzt für Brummis. Foto: Continental
Display auf der Scheibe: Das gibt’s jetzt für Brummis. Foto: Continental

Michelin ist zudem in Sachen Industrie 4.0 unterwegs. Kleinere Speditionen profitieren vom digitalen Reifen-Logbuch (Tirelog), das es als App in elf Sprachen gibt. Hier ist jedes Fahrzeug im Fuhrpark samt Pneus hinterlegt. Bei der Wartung erfasst ein Werkstattmitarbeiter Profiltiefe und Druck, die Kilometerleistung zeichnet der Lkw selber auf. Beim Reifenwechsel wird im Logbuch vermerkt, ob der Pneu komplett neu, nachgeschnitten oder runderneuert ist. Statusabfrage der Reifen? Ab jetzt jederzeit!

Hightech gibt’s zudem auf der Windschutzscheibe: Tempo, Temperatur, Navigation – das können nun auch Brummi- oder Busfahrer vor ihrer Nase ablesen. „Head-up-Display“ heißt die Innovation, entwickelt vom Technologiekonzern Continental in Hannover. Da die Frontscheiben in Europa sehr steil eingebaut sind, übernimmt eine davor installierte transparente Kunststoffscheibe die Bildreflexion.

„Die Digitalisierung ist eine gewaltige Chance für die Transportbranche“, unterstreicht Vorstandsmitglied Nikolai Setzer. 13.000 Software-Ingenieure tüfteln in dem Konzern ständig an Verbesserungen – etwa Kameras, die den Fahrer vor Ermüdung warnen oder vor dem Verlassen der Fahrspur. Oder Sensoren, die das Gewicht der Ladung erkennen.

Besonders raffiniert ist ein „topografisches Navi“ in Echtzeit: Es sieht zum Beispiel Steigungen, Gefälle, Baustellen, Kurven oder rote Ampeln voraus und gibt passende Tipps für Schaltung und Gas – auch automatisch.

3. Laster immer leichter

Leicht und stark: Luftfedern aus Kunststoff. Foto: Continental
Leicht und stark: Luftfedern aus Kunststoff. Foto: Continental

Innovationen aus der Chemie helfen den Kolossen der Straße zudem beim Abspecken. Leichtbau ist der Megatrend, auch bei Bussen, Bau- oder Landmaschinen. Bekannt sind etwa Kunststoff-Tanks, auf die Kautex Textron in Bonn spezialisiert ist.

Es gibt aber auch hoch belastbare Motorlager aus glasfaserverstärktem Polyamid, die auch noch eine gute schwingungs- und geräuschmindernde Wirkung haben. Oder Dachverkleidungen aus Kunststoff für Lkws, die den Luftwiderstand verringern.

Pfiffig: Das saudische Chemie-Unternehmen Sabic mit deutschem Sitz in Düsseldorf stellt einen speziellen Kunststoff aus PET-Wasserflaschen mit dem schwierigen Namen Polybutadienterephthalat her. Das Material kommt etwa in den Halterungen seitlicher Windabweisersysteme bei Schwerlastwagen zum Einsatz. Andere Kunststoffe des Konzerns stecken in Kotflügel, Kühlergrill oder auch im Frontscheinwerfer.

Ein Highlight auf der IAA sind Luftfedern mit Abrollkolben aus glasfaserverstärktem Kunststoff für Nutzfahrzeuge und Busse. Im Vergleich zu herkömmlichen Stahlkolbenfedern bringen die Kunststoff-Bauteile bis zu 75 Prozent weniger Gewicht auf die Waage, verspricht Hersteller Continental. Für Spediteure heißt das 12 bis 15 Kilo pro Achse an Zuladung.

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