Faszinierende Einblicke

Wie Fotografen die unsichtbare Welt der Forschung sichtbar machen


Ludwigshafen. Hunderte Würfel türmen sich übereinander. Eine Aufnahme wie aus einer anderen Welt. Sie zeigt Minerale – genauer gesagt Zeolithe, die auch als Aluminosilikate bezeichnet werden.

Aufgenommen wurde das Foto mit einem Rasterelektronen-Mikroskop. „Die Einzelkristalle wirken nahezu gleichförmig und gleichgroß – absolut ästhetisch“, schwärmt Experte Ulrich Müller. Er leitet die Forschung Zeolith-Katalysatoren bei der BASF in Ludwigshafen. Der Chemiekonzern produziert diese Aluminosilikate. Varianten davon spielen eine wichtige Rolle in Abgaskatalysatoren für Dieselmotoren: Sie reinigen Abgase von kritischen Stickstoffoxiden.

Die Rasterelektronen-Mikroskopie hat sich als Analysemethode in der Forschung bewährt. Sie ermöglicht abzubilden, was das menschliche Auge nicht sieht.

Das Unsichtbare wird sichtbar

„So können wir zum Beispiel die Eigenschaften von Materialien beurteilen und Substanzen weiterentwickeln“, sagt Müller. Sein Team kann in diesem Fall unter anderem ablesen, dass die Katalysatoren besonders wirksam arbeiten und die Abgase sehr gut reinigen.

Auch wenn die speziellen Mikroskope zur Ausstattung vieler Labore zählen: Nur wenige Fachleute können sie als Kamera einsetzen. Zu ihnen zählen die Wissenschaftsfotografen Nicole Ottawa und Oliver Meckes in Reutlingen.

In ihrer Bildagentur „eye of science“ machen sie seit mehr als 20 Jahren für Unternehmen und Zeitschriften unsichtbare Welten sichtbar. Dreimal erhielten sie schon den „World-Press-Foto“-Award.

Mit der BASF arbeiten sie seit 2007 zusammen. Mehr als 100 Aufnahmen sind dabei entstanden, mit denen der Konzern die sehr abstrakten Forschungs- und Entwicklungsthemen greifbarer machen will.

Unendliche Fülle an bizarren Formen

Im Studio von Ottawa und Meckes stehen große Rasterelektronen- und Lichtmikroskope bereit. Bis zu 100.000-fache Vergrößerungen sind möglich. „Dann erscheinen sogar Bakterien und Viren“, sagt Meckes.

Jede Probe wird elektronisch abgebildet. „Das heißt, Elektronenstrahlen tasten sie ab“, erklärt der Fotograf. Wichtig ist deshalb, dass nicht-metallische Objekte mit Metall bedampft und so elektrisch leitfähig gemacht werden. „Sonst würden sie verbrennen.“ Biologisches Material muss chemisch behandelt werden. „Nur so behalten die Zellen ihre Form“, sagt der Profi.

Viele Proben werden im Präparationslabor in Szene gesetzt. „Um das Innere eines Kunststoffs zu zeigen, kühlen wir ihn auf minus 170 Grad Celsius und brechen ihn.“ Und Styropor schneiden sie in Scheiben, so dünn, dass sie transparent erscheinen.

Auch was schlicht wirkt, birgt bizarre Formen. „Schaut man sich Beton unter dem Mikroskop an, erscheinen Luftkammern und Kristalle“, sagen die Fotografen. Ihr persönliches Traummotiv? „Einmal Marsgestein fotografieren.“

www.eyeofscience.de

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