Finanzkrise

Wie es dazu kam


Entgeistert: Ein Händler am 8. Oktober an der Börse Frankfurt. Sein Computer spielt aus YouTube den Rock-Song „The Final Countdown“. Foto: dpa

Die Banken taumeln – und das liegt weniger am Markt als an der Politik

Erst waren nur ein paar amerikanische Immobilienbanken unter Druck, jetzt ist die Finanzkrise nach Europa geschwappt. Auch die Deutschen fürchten um ihr Wirtschaftswachstum, manche gar um ihr Erspartes – und die Regierung schnürt Rettungspakete. AKTIV erklärt, wie es zu dem Banken-Desaster kommen konnte. Und welche Lehren zu ziehen sind.

Hat der Kapitalismus versagt?

Ein klares Nein. Fachleute sind sich einig, dass allein die Bankenwelt die Turbulenzen ausgelöst hat. „In keinster Weise hat die ganze Marktwirtschaft versagt“, stellt zum Beispiel Michael Schröder vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim klar. Der Arbeitsmarkt und die Produktmärkte funktionieren nach wie vor.

Ursache der Finanzkrise ist eine riesige Blase im amerikanischen Immobilienmarkt, die sich über Jahre aufgebläht hat und ungefähr vor einem Jahr geplatzt ist.

Was ist in Amerika schiefgelaufen?

Fast jeder Amerikaner, der Wohneigentum erwerben wollte, bekam von seiner Bank Kredit. Sogar Kunden ohne Vermögen. Die Regierung hat das Immobilien-Fieber lange Zeit mit hoher Förderung angeheizt – und zudem die Regeln für die Kreditvergabe gelockert.

Auch die Notenbank trägt Mitschuld. „Sie ist nicht so unabhängig wie die Europäische Zentralbank und nicht allein auf die Inflationsrate fokussiert“, erklärt Manfred Jäger, Finanzmarktexperte am Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW). „Sie hielt die Zinsen zu lange zu niedrig – und kam damit den Politikern zu sehr entgegen.“ Bank-Manager haben das Problem verschärft: Sie stückelten die Kredite in komplizierte Wertpapiere und verkauften sie weiter an andere Finanzhäuser in der ganzen Welt.

Trifft auch den deutschen Staat eine Schuld?

Auch Landesbanken wie in Sachsen und in Bayern haben mit den Wertpapieren auf Häuserkredite spekuliert und viel Geld verloren. Aufsicht führen hier Politiker, die die enormen Gefahren nicht erkannten. So wenig wie viele Manager in privaten Banken. Sie wollten schnell und viel Geld verdienen, missachteten aber das Risiko.

Brauchen wir schärfere Regeln für Banken?

Ja, aber mit Augenmaß. ZEW-Experte Schröder: „Der Bankensektor ist schon heute der am stärksten regulierte Teil der Wirtschaft.“ Sein IW-Kollege Jäger: „Wir brauchen nicht mehr, sondern bessere Regulierung.“ Etwa strengere Informationspflichten für Banken.

Lassen sich Marktkrisen künftig vermeiden?

Krisen gehören zur Marktwirtschaft dazu – und die hat vor einigen Jahren auch die Pleiten vieler Internet-Firmen verkraftet. „Es wird immer Wetten auf neue Technologien geben, aber nicht alle Ideen sind erfolgreich“, sagt Michael Wohlgemuth vom „Walther Eucken Institut“ in Freiburg, das auf Fragen der Wirtschaftsordnung spezialisiert ist. „Die Marktwirtschaft ist trotzdem ohne Alternative.“ Planwirtschaften wie in der DDR sind gescheitert.

Info: Der Schutz für mein Erspartes

Private Bankeinlagen sind doppelt geschützt: durch eine gesetzliche Entschädigung bis 20.000 Euro je Konto und durch sehr viel großzügigere Feuerwehr-Fonds der Finanzinstitute. Gefährlich wäre nur ein Flächenbrand – den die Regierung jetzt mit Bürgschaften und Kapitaleinlagen im Volumen von 500 Milliarden Euro verhindern will. Was das am Ende kostet, ist offen – im günstigen Fall kann der Staat am Banken-Einstieg sogar verdienen.

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Schlagwörter: Inflation Ausland

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