Anlagen-Exporte ins Putin-Reich brechen ein

Wie die Wirtschaftssanktionen gegen Russland den Maschinenbauer Ziehl-Abegg treffen

Schöntal/Frankfurt. Im Ofen schmilzt Aluminium bei 700 Grad: Aus diesem Material fertigt die Firma Ziehl-Abegg in ihrem Werk in Schöntal Ventilatoren – unter anderem für den russischen Markt. „Doch dieses Geschäft ist eingebrochen“, berichtet der Vorstandsvorsitzende Peter Fenkl: „Und zwar um rund 10 Prozent.“

Weil Fenkl für das Werk mit seinen rund 550 Mitarbeitern neue Kunden gewinnen konnte, stand für 2014 kein Minus in der Bilanz, der Umsatz legte sogar noch zu. Doch das Beispiel der Ventilatoren-Fabrik in dem schwäbischen Dorf zeigt, wie die Weltpolitik auf die deutsche Provinz durchschlägt.

Ziehl-Abegg liefert nicht nur direkt an das Putin-Reich, das jetzt mit dem Westen über die Ukraine streitet und wirtschaftlich immer mehr schwächelt. Viele Ventilatoren gehen auch an Kunden, die sie in ihre Produkte einbauen und dann nach Russland verkaufen. Das Endprodukt wird etwa in Industriehallen, Viehställen oder Hotels installiert.

Rubel-Kurs brach um 70 Prozent ein

„Einer unserer Abnehmer baut die Ventilatoren in Klimageräte ein und verkauft diese zu 70 Prozent nach Russland“, sagt Fenkl. „Oder besser gesagt: verkaufte! Ihm ist das Geschäft weggebrochen.“

Auch bei vielen Produzenten von Tierställen, die der Anlagenbauer ebenfalls beliefert, herrsche Alarmstimmung. „Russland wollte viele neue Mastbetriebe bauen, doch jetzt wurden die Pläne erst einmal gestoppt. Es gibt keine Planungssicherheit.“

Das ist die Kehrseite der EU-Wirtschaftssanktionen: Sie zielen gegen sensible Bereiche wie Rüstung, Ölförderung oder das Finanzwesen, können aber im Prinzip jedes Produkt treffen – auch Ventilatoren. Und weil der Rubel-Kurs gegenüber dem Euro seit Anfang 2014 um gut 70 Prozent abstürzte, können russische Firmen Westprodukte kaum noch bezahlen.

Und Moskau erwartet, dass die Wirtschaft des Landes dieses Jahr um 3 Prozent schrumpfen wird. Keine guten Nachrichten für Firmen wie Ziehl-Abegg. „Der Druck durch die Sanktionen ist auf beiden Seiten groß“, betont Firmenchef Fenkl. „Schließlich sind ja alle Unternehmen vernetzt.“

Zwar steht die deutsche Wirtschaft zum Sanktionskurs der Politik – doch die Auswirkungen sind beträchtlich. Der Russland-Export des Maschinen- und Anlagenbaus, zu dem auch der Ventilatoren-Hersteller Ziehl-Abegg gehört, lag in den ersten elf Monaten 2014 um 17 Prozent niedriger als im Vorjahreszeitraum. Dass es auch immer mal wieder aufwärts ging (Grafik), liegt allein an Großaufträgen, die das Bild verzerren.

In der Bedeutung der Auslandsmärkte rutschte Russland von Platz vier auf Platz fünf ab – hinter China, den USA, Frankreich und England. „Russland ist für uns ein wichtiger Markt“, sagt Ulrich Ackermann, Abteilungsleiter Außenwirtschaft beim Branchenverband VDMA. „Aber die Zukunft ist ungewiss.“

Kunden stornieren Aufträge, Abnehmer zahlen nicht, Transporte bleiben an der Grenze stecken: Die gesamte Wirtschaft, das rechnete kürzlich der Deutsche Industrie- und Handelskammertag in Berlin vor, hat letztes Jahr durch die Russland-Sanktionen rund 7 Milliarden Euro Exportumsatz verloren.

Aber Jammern hilft nicht, meint Ziehl-Abegg-Chef Fenkl. Sondern unternehmerisches Umsteuern – für das Werk in Schöntal und die insgesamt 3.400 Mitarbeiter weltweit: „Wir hoffen, dass wir die Einbrüche in Russland auch in Zukunft mit Aufträgen aus Europa, Asien und Amerika ausgleichen können.“


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