70 Jahre Kriegsende

Wie die Stiftung „Erinnerung Verantwortung Zukunft“ NS-Opfern und Jugendlichen hilft

Friedensarbeit von heute: Junge Teilnehmer des Stiftungsprogramms „Europeans for Peace“. Foto: EVZ

Berlin. Junge Leute aus verschiedenen Ländern, die in der Sonne sitzen und mit ihren Laptops arbeiten: Sie sind Teilnehmer des internationalen Förderprogramms „Europeans for Peace“, das sich mit den Themen Menschenrechte und Diskriminierung beschäftigt. Finanziert wird das Programm von der Stiftung „Erinnerung Verantwortung Zukunft“ mit Sitz in Berlin. Sie wurde im Jahr 2000 gegründet. 6.000 deutsche Unternehmen gaben umgerechnet 2,5 Milliarden Euro Startkapital; die Bundesregierung legte noch mal 2,5 Milliarden drauf.

„Es ging darum, einen kollektiven Fonds zu gründen für Zahlungen an ehemalige Zwangsarbeiter im NS-Regime“, sagt Sophia Spiliotis von der Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft und Mitglied des Kuratoriums. Doch die Stiftung setzt sich nicht nur mit der Vergangenheit auseinander: „Wir haben auch einen Auftrag für die Zukunft. Wir müssen uns Gedanken machen darüber, wann Ausgrenzung beginnt und welche Folgen sie für die Demokratie hat.“ Daher seien Bildungs- und Austauschprojekte wie „Europeans for Peace“ besonders wichtig.

Von den 5 Milliarden Euro Startkapital wurden 4,4 Milliarden an 1,7 Millionen ehemalige NS-Opfer ausgezahlt; dieser Teil der Stiftungsarbeit wurde 2007 abgeschlossen. Doch auch heute noch sind 80 der insgesamt 320 Projekte auf die Überlebenden ausgerichtet: Die Hilfe von professionellen Fachkräften und 6.000 Ehrenamtlichen erreichte im vergangenen Jahr 26.500 Personen.

Die Stiftung hilft etwa bei der gesundheitlichen Versorgung von NS-Opfern in Osteuropa, ermöglicht notwendige Operationen, Kuren oder Therapien. „Der Bedarf wird mit steigendem Alter der Opfer größer“, so Spiliotis. Es gibt Beratungen für Angehörige und Treffen zwischen Holocaust-Überlebenden und Jugendlichen.

Insgesamt gab die Stiftung im vergangenen Jahr 8 Millionen Euro aus. Im Kuratorium, also sozusagen dem Aufsichtsrat, ist die Wirtschaft mit 4 von 27 Sitzen vertreten und entscheidet mit über die Auswahl der Projekte.

Im Rahmen von „Europeans for Peace“, wo sich Jugendliche mit einer friedlichen Zukunft beschäftigten, entstand zum Beispiel die Idee „Vier Sprachen, zwei Länder“: Gehörlose und hörende Schüler aus Deutschland und Russland produzierten gemeinsam eine Fernsehsendung gegen Diskriminierung. Andere Teilnehmer des Programms erarbeiten „Sterne über Grenzen hinaus“: ein deutsch-serbisch-französisches Tanzprojekt.

Friedensarbeit dieser Art ist auch der großen Politik wichtig. Die Macher der Fernsehsendung und des Tanzprojekts sowie weitere Jugendliche werden Ende Mai im Auswärtigen Amt geehrt.


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