Funk-Chips sorgen für mehr Tempo und Effizienz

Wie die RFID-Technik unsere Arbeitswelt verändert


Pöcking/Moosburg/Nürnberg. Im Ticket der Fußball-WM, im Skipass oder zur Erkennung der eigenen Katze – Radiofrequenz-Identifikation (kurz: RFID) begegnet uns an vielen Stellen. Auch die Industrie setzt diese automatische Erkennung von Daten per Funk immer häufiger ein.

Die Mini-Chips mit den Antennen kontrollieren den Wareneingang, schleusen Teile von einer Maschine zur nächsten und überwachen das Ausliefern der fertigen Waren. Bayerische Unternehmen entwickeln Produkte und Dienste rund um diese Technik.

Speichern und Lesen ohne Sichtkontakt

Noch sind die RFID-Transponder oder Tags, wie die Funk-Chips genannt werden, mit 15 bis 20 Cent pro Stück relativ teuer im Vergleich zu bisherigen Verfahren zur Kennzeichnung – etwa dem Strichcode, den man von Müsli und Milchtüten kennt. Doch RFID hat ein großes Plus: Man kann die Informationen lesen, überschreiben und ergänzen, ohne dass man den Chip sehen oder berühren muss. Lesegerät und Chip „unterhalten“ sich per Funk.

Die Radiowellen durchdringen selbst dicke Verpackungen und Transport-Container. Kaum zu glauben: Streichholzgroße Chips mit Antenne dirigieren tonnenschwere Gabelstapler durch riesige Lagerhallen. Die Technik dazu stammt von der Indyon GmbH in Pöcking am Starnberger See. Der Spezialist für RFID-basierte Logistiksysteme hat 13 Mitarbeiter und bietet Sender, Empfänger, Lesegeräte sowie Software zum automatischen Erfassen und Verfolgen von Waren an.

Beim Abstellen einer Palette oder Gitterbox wird der Stellplatz erkannt. Dazu ist vor jedem Regal ein Transponder in den Boden eingelassen. Fährt der Stapler über die Stelle, fängt eine Antenne unter der Vorderachse das Signal auf und stellt so die Position fest.

Ein Sensor am Hubgerüst des Staplers zeigt an, in welcher Höhe die Ware abgestellt werden soll und gibt die Daten an die Lagerverwaltung weiter. „So weiß man immer, was sich an welchem Platz befindet“, erläutert Andreas Plettner, der Geschäftsführer von Indyon. „Für Unternehmen mit hohem Durchsatz lohnt sich die Technik schnell.“ Seit Gründung vor zehn Jahren hat die Firma knapp 40 Anlagen installiert.

Stapler trifft Palette auf den Millimeter

Die Systeme steuern Stapler, die Mineralwasserkästen, Rohre oder Tiefkühlkost balancieren. Etwa 3.000 Transponder kommen auf ein Lager, das Platz für 50.000 Paletten bietet. Automatisches Erkennen von Lagerort und Ware spart Zeit. „RFID kann die Umschlagsleistung um bis zu 25 Prozent steigern“, sagt Sebastian Riedmaier, Leiter des Produktmanagements für Systemfahrzeuge des Stapler-Herstellers Jungheinrich in Moosburg in Oberbayern. Das Unternehmen rüstet im Jahr 1.200 bis 1.500 Lager aus.

Jungheinrich bietet RFID-Technik zur Ortung von Hochregalstaplern mittels Transponder im Boden an. Zudem hat es Identifikationssysteme für Paletten entwickelt, etwa eine RFID-Antenne in den Gabelzinken.

Die Transpondertechnik ist Basis für die Navigation im Lager. Die Fahrzeuge bekommen Aufträge vom Warenwirtschaftssystem. Das Navi leitet sie auf schnellstem Weg zum Ziel. Die Ortung ist so genau, dass der Stapler die Paletten selbst in einem 100 Meter langen Gang millimetergenau trifft.

Der Fahrer muss keine Fächer mehr zählen, nur noch Vollgas geben. „Selbst Anfänger kommen auf die Umschlagleistung eines Profis“, so Riedmaier. Die Technik macht die Fahrt auch sicherer. Sie bremst das Fahrzeug, sobald es aus dem Gang fährt, warnt vor Hindernissen und verlangsamt die Fahrt auf unebenen Böden.

RFID bringt nicht nur die Logistik, sondern auch die Produktion auf Trab. In der Siemens AG entwickelt die Division Industrie-Automatisierung Verfahren zur Identifikation, etwa für den Automobilbau. „Waren von der Stange wollen die Kunden längst nicht mehr“, erklärt Markus Weinländer, Leiter des Produktmanagements in Nürnberg. „Das gilt auch für Autos.“ Damit der Käufer am Ende genau das Fahrzeug bekommt, das er bestellt hat, müssen alle Teile für jede Variante verfügbar sein.

„Ein großes Lager hilft hier nicht“, so Weinländer. Stattdessen werden die Teile mit RFID-Tags bestückt. Wie ein Buchzeichen sieht diese Kennzeichnung aus. Chip und Antenne stecken in einem flachen Etikett, das im Radkasten angeschraubt wird.

Roboter sucht die richtige Farbe aus

Mit einem Blick auf den Chip „weiß“ jede Maschine, was mit dem Werkstück zu tun ist. Der Lackier-Roboter erkennt etwa, ob er einen Wagen mit Stufenheck oder einen Kombi vor sich hat und wählt automatisch den richtigen Farbton.

Auch in den eigenen Werken nutzt Siemens die Technik. In der Elektronik-Fertigung in Amberg (Oberpfalz) werden rund 1.500 Relais – elektromagnetische Schalter – hergestellt. Materialfluss und Montage sind funkgesteuert.

Die mobilen Datenspeicher werden „fliegend“ gelesen. Siemens-Manager Weinländer: „Wir könnten theoretisch Einzelstücke fertigen, ohne dass das Band stoppt.“

Ein weiteres Beispiel dafür, wie die RFID-Technik die Arbeitswelt verändert, lesen Sie hier auf AKTIVonline.

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Info: Schlauer Datenfunk

• RFID (Radiofrequenz-Identifikation) steht für die kontaktlose Datenübertragung per Funk.

• Ein RFID-System besteht aus Antenne, Lesegerät und Transponder. Ein Transponder ist eine Kombination aus einem Speicherchip und einer feinen Kupfer-Antenne.

• Die Funksignale überbrücken wenige Zentimeter bis mehrere Meter – je nach Bauart und Frequenzbereich.

• Waren und Werkstücke werden mit RFID 20-mal schneller erfasst als mit bisher üblichen Strichcodes.

• Logistik und Handel setzten die Technik zur lückenlosen Verfolgung von Waren als Erste ein. Viele Zugangskontrollen in Fabriken funktionieren mit RFID.

• In Bayern hilft das „Kompetenzzentrum Mittelstand“ (www.kme-mittelstand.de) vom Verband der Bayerischen Metall- und Elektroindustrie und von der Technischen Uni München Mittelständlern beim Einführen von RFID.

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INDYON GmbH
Schafflergraben 3
82343 Pöcking

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Steinbockstraße 38
85368 Moosburg

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