Expo 2015 nimmt Ernährung ins Visier

Wie die Chemie-Branche hilft, gute Lebensmittel zu erzeugen

Mailand. 7,2 Milliarden Menschen bevölkern die Erde, jede Minute kommen 150 dazu – 2050 werden es 9 Milliarden sein. Alle wollen essen, trinken und genügend Platz zum Leben haben. Dieser Herausforderung widmet sich die diesjährige Weltausstellung in Mailand. Ihr Motto: „Den Planeten ernähren, Energie für das Leben“ (bis 31. Oktober).

Im Brennpunkt der Expo steht die Landwirtschaft. Sie muss künftig noch effizienter und produktiver werden und mit weniger Fläche auskommen. Wie die Chemie dabei hilft, zeigen drei Beispiele:

Tierhaltung

Die Menschheit verlangt zunehmend nach Fleisch, Fisch, Eiern und Milchprodukten – auch wegen des wachsenden Wohlstands in den Schwellenländern. Am Federvieh sieht man die rasante Zunahme: 2003 gab es weltweit 16 Milliarden Hühner, so die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), 2013 waren es bereits 21 Milliarden.

Die industrielle Tierhaltung setzt deshalb auf optimiertes Tierfutter. So produziert das Chemie-Unternehmen AlzChem im bayerischen Trostberg einen selbst entwickelten Zusatzstoff (Creamino) für die Hähnchenmast: „Damit spart man gut 3 Prozent Futter“, berichtet AlzChem-Vorstand Stefan Greger.

Das Mittel, ein normaler Bestandteil des tierischen und menschlichen Organismus, ist ein Schlüsselschritt im Energiestoffwechsel: Der Körpermechanismus der Tiere funktioniert deutlich besser, Muskel- und Fleischaufbau werden unterstützt, und die Futterverwertung wird verbessert. Das wirkt sich auch auf die Gesamtkonstitution der Tiere aus. So steigt etwa die Schlüpfrate bei den Küken, und sie sind kräftiger. Demnächst wird der Einsatz bei Puten, aber auch Schweinen, jungen Rindern und Milchkälbern erprobt.

Pflanzenwachstum

Die wachsende Bevölkerung benötigt mehr Wohnraum. Der Kampf um Ackerfläche wird immer härter: Nur 11 Prozent der Erdoberfläche (56 Millionen Quadratkilometer) sind landwirtschaftlich nutzbar. Davon gehen etwa durch Erosion, Austrocknung oder Versiegelung jährlich 5 bis 7 Millionen Hektar verloren: 1970 standen pro Person noch gut 0,3 Hektar urbanes Land zur Verfügung, bis 2050 halbiert sich die Fläche auf 0,15 Hektar.

„Die Ressourcen auf unserem Planeten sind begrenzt“, bringt es Liam Condon, Chef der Bayer-Agrarsparte CropScience im nordrhein-westfälischen Monheim auf den Punkt. „Wir müssen das verfügbare Land besser bewirtschaften.“

Die Experten haben errechnet, dass sich die landwirtschaftliche Produktion in den nächsten 40 Jahren verdoppeln muss, um die Ernährung zu sichern. Innovative Fungizide, Insektizide, Herbizide und diverse Dünger sind deshalb unverzichtbar. Das gilt auch bei der Sicherung der Ernte: Laut Bayer können zum Beispiel wenige Kornkäfer innerhalb eines Jahres 90 Millionen Nachkommen entwickeln und 50 Tonnen Getreide vernichten, was 75.000 Broten entspricht. Spezielle Mittel des Unternehmens (K-Obiol, Dedevap) helfen, den Befall zu kontrollieren.

Ein anderer gefürchteter Schädling ist der Maiszünsler. Er frisst sich tief in die Maisstängel, die Pflanze knickt ab. Ein spezielles Mittel (Steward) des Chemie-Unternehmens Dupont im hessischen Neu-Isenburg stoppt die Nahrungsaufnahme der Insekten umgehend und tötet sie ab.

Nährstoffe

Gesunde Lebensmittel müssen neben Kalorien auch Nährstoffe enthalten. Deshalb werden sie angereichert, etwa mit verschiedenen Vitaminen, wie sie der Chemie-Konzern BASF in Ludwigshafen herstellt. Das Vitamin A ist zum Beispiel gut für die Augen, die Lunge und die Haut. Daneben trägt es zur Prävention von Wachstumsstörungen bei und fördert die Entwicklung des Knochenbaus.

Gefragt sind auch hochkonzentrierte Omega-3-Fettsäuren: Weltweit wird jedes Jahr etwa eine Million Tonnen Öl aus Fischen gewonnen. Eine gentechnisch veränderte Sorte Raps könnte hier helfen: Das neuartige Gewächs produziert eine Art Lebertran und wirkt damit der Überfischung der Meere entgegen. In zehn Jahren soll das Omega-3-Pflanzenöl marktfähig sein.


Weltausstellung in Mailand

Foto: dpa
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  • Umweltschutz, nachhaltige Entwicklung, Nahrungssicherheit und erneuerbare Energien stehen im Mittelpunkt der Expo. 
  • Die Ausstellung ist ein Themenpark, in dem jedes der 130 teilnehmenden Länder das Beste seiner Nationen in Sachen Ernährung vorstellt.
  • Das deutsche Expo-Grundstück umfasst 5.000 Quadratmeter, die Ausstellungsfläche 2.680 Quadratmeter.
  • Neben den Länder-Pavillons gibt es thematische Cluster etwa über Reis, Kaffee, Obst, Gewürze oder Getreide.
  • Täglich finden maximal 250.000 Besucher Einlass, insgesamt erwarten die Veranstalter 20 Millionen Gäste.

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Klar, den Pariser Eiffelturm und das Brüsseler Atomium kennt fast jeder. Doch warum wurden diese imposanten Sehenswürdigkeiten anlässlich von Weltausstellungen errichtet? Und wo kann man noch weitere tolle Expo-Überbleibsel bestaunen?

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