Standpunkt

Wie der Staat die Preise treibt

Vom Stadtkämmerer bis zur Zentralbank: Alle kurbeln mit

Bei Inflation steigen die Preise – aber nicht jede Preissteigerung ist „inflationär“. Darauf beruht ja, wenn es um den Preis der Arbeit geht, auch die Lohnforderungs-Formel der Gewerkschaften: Soundso viel Prozent werden auf das Inflationskonto verbucht, der Rest soll echte Wertsteigerung sein.

Unabhängig von der allgemeinen Geldentwertung wird ein Gut dann teurer (von Unverschämtheit des Anbieters einmal abgesehen), wenn es kostbarer wird. Wie in letzter Zeit vor allem das Öl: Zusätzliche Nachfrage etwa aus China machte es knapper und damit wertvoller. Beschleunigt wurde der Preisanstieg, der ja in Dollar notiert wird, lange Zeit auch durch Wertverlust der US-Währung.

Aber woher kommt die Geldentwertung? Daher, dass die  Zentralbank und unter ihrer Anleitung die kommerziellen Banken zu viele neue Scheine ausreichen. Die Leute haben mehr Geld in Händen, als das laufende Güterangebot kostet – und solange nicht entsprechend mehr produziert wird, steigen die Preise. Genau so entstand übrigens die „Immobilien-Blase“ in den USA, deren „Platzen“ nun die Finanzmärkte belastet.

An sich ist die Europäische Zentralbank gehalten, die Menge an umlaufenden Euro so an das aktuelle Güterangebot anzupassen, dass dessen Gesamtpreis stabil bleibt. Dabei „definiert“ sie jedoch Preisstabilität als jährliche Preissteigerung von 2 Prozent. Jawohl, Null wird als Zwei definiert! Das soll Raum für Preissteigerungen schaffen, die es den Betrieben gestatten, Kostensteigerungen aufzufangen. Zum Beispiel jährliche Lohnerhöhungen.

Der deutsche Staat gehört zu den Instanzen, von deren Duldung diese Zwei-Prozent-Philosophie abhängt. Die Regierungen lassen sie laufen, unabhängig von ihrer Farbzusammensetzung.

Zugleich mischen die Finanzminister und Stadtkämmerer im Preiserhöhungsgeschäft kräftig mit. Der fetteste Einzelposten ist die „kalte Progression“: Zusatzeinkommen aus einer Lohnerhöhung wird stärker versteuert als das bisherige Einkommen.

Steigt der Lohn etwa um 3 Prozent, was zurzeit ungefähr dem Inflationsausgleich entspräche, so wächst die Steuerlast des Arbeitnehmers im Schnitt um 5 Prozent. Die Inflation spült ordentlich Geld zum Finanzamt.

Zu allem Übel sind die Preise für staatliche Leistungen wie Autozulassung, Müllabfuhr oder Rundfunk zuletzt besonders steil geklettert. Von 1995 bis 2007 um 45 Prozent! Wobei schwer zu entwirren sein dürfte, was daran Inflationsausgleich oder echte Wertsteigerung ist. Oder eben schlicht unverschämt.


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