Schon bald kommen die intelligenten Fahrzeuge

Wie das vernetzte Auto die deutschen Straßen erobern wird


Frankfurt. Blitzschnell taucht das Motorrad im Blickfeld des Autofahrers auf. Doch der bleibt cool, keine Schrecksekunde, kein überstürztes Bremsen. Das Auto hat ihn vorgewarnt, ehe er das herannahende Hindernis überhaupt sehen konnte: mit einer frühzeitigen Projektion auf der Windschutzscheibe. So sicher sind bereits 120 Testfahrer auf deutschen Straßen unterwegs.

Sechs Hersteller arbeiten zusammen

Im Großraum Frankfurt sammeln sie zurzeit Daten und Erfahrungen mit einer Technik, die kurz vor der Serienreife steht: intelligente Autos, die sich zudem austauschen – mit anderen Fahrzeugen und Verkehrsleitzentralen.

„Das vernetzte Auto ist das Top-Thema der nächsten Jahre – neben neuen Antriebskonzepten“, sagt der Mobilitätsexperte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach. Wissenschaftler und Entwickler – unter anderem von Audi, BMW, Daimler, Ford, Opel und Volkswagen – wirken mit beim weltweit größten Feldversuch zu automobiler Kommunikation. Sein Name: „Sichere Intelligente Mobilität – Testfeld Deutschland“, kurz „sim TD“.

Mit dieser Technik an Bord warnen Autos bald vor Hindernissen wie verlorener Ladung oder heranbrausenden Krankenwagen. Sie assistieren in gefährlichen Situationen durch frühzeitiges Bremsen. Und sie empfehlen die optimale Geschwindigkeit für Grüne-Welle-Ampeln – was Staus und Abgase vermeidet.

Aber das vernetzte Auto findet auch die günstigste Tankstelle in der Nähe, und es übernimmt dort gleich die bargeldlose Bezahlung. Außerdem liest es SMS-Nachrichten vor und bedient den Kurznachrichtendienst Twitter.

Was wie Zukunftsmusik klingt, entwickelt sich schon jetzt zu einem Wachtumsmarkt. Aktuelle Verkehrsinformationen, Angaben zum verbrauchsoptimierten Fahren oder Parkassistenten: Allein in dieser Sparte – dem Mobilitätsmanagement – sagt Bratzel für die Autohersteller 200 Prozent mehr Umsatz bis 2015 voraus. Audi etwa erprobt derzeit, wie sich Autos fahrerlos dirigieren und abstellen lassen.

Das vernetzte Fahren mit intelligenten Autos gewinnt auch durch die Elektromobilität an Bedeutung: Wo ist die nächste freie Ladesäule zu reservieren? Kann ich bis dort zügig weiterfahren oder muss ich meine Fahrweise anpassen, damit die Batterie es bis zum Ziel noch schafft? Wo kann ich auf Bus und Bahn umsteigen?

Schutz vor Hacker-Angriffen

Solche Abfragen, auch an Werkstätten, werden über das Smartphone oder eine im Auto verbaute Sim-Karte laufen. „Die fährt nicht einmal mehr zwangsläufig als Chip mit, sondern nur als Software“, erklärt Christian Weiß, Sprecher von sim TD und Ingenieur für Elektro- und Nachrichtentechnik bei Daimler.

Damit kein Hacker von außen auf die Daten zugreifen kann, haben die Techniker vorgesorgt. Weiß: „In sim TD haben wir von Anfang an auf Datensicherheit und Privatsphäre geachtet. Externe Eingriffe ins Fahrzeugsystem sind ausgeschlossen. Der Fahrer bleibt Herr der Lage.“

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