Katastrophen-Angst

Wie das Kaninchen vor der Schlange


Von Schnee bis Schweinegrippe – haben wir einen Hang zur Hysterie?

Köln. Leise rieselt der Schnee? Von wegen. In Deutschland fallen die Flocken mit Getöse. „Schneekatastrophe kommt“, titelten die Medien unlängst, als das Tiefdruckgebiet „Daisy“ Kurs auf Deutschland nahm. Und was passierte? Na ja, es schneite tatsächlich. Ein paar Autos blieben stecken, ein paar Flugzeuge länger am Boden als geplant, auf Fehmarn fiel kurz der Strom aus.

Katastrophe? Nö. Winter!

Panik, Chaos, Drama – liebe Leute, eine Nummer leiser hätte auch gereicht. Aber zur Hysterie und Panikmache haben wir Deutschen offenbar einen Hang.

Beispiel Schweinegrippe: Wochenlang beherrschendes Thema, derzeit interessieren  sich wohl nur noch die Gesundheitsminister der Bundesländer dafür. Weil sie nicht wissen, was sie mit den Millionen von überzähligen Impfdosen anfangen sollen.

Rinderwahn und Hyperinflation

Unsere Tendenz, aus jeder Mücke einen Elefanten zu machen, schadet mitunter sogar der Wirtschaft. So ließ die übertriebene Panik vor der Rinderseuche BSE seinerzeit den Fleischmarkt völlig einbrechen.

Noch absurder: Als bei uns die Preissteigerung Mitte 2007 3,3 Prozent betrug, machte flugs das böse Wort von der Hyperinflation die Runde. Vier Monate später waren es nur noch 1,4 Prozent.

Erleichterung? Mitnichten!

Reflexartig textete ein Nachrichtenmagazin: „Teuerungsraten stürzen ab!“ Gleiches Bild beim Ausbildungsmarkt: Dort gab es Ende 2009 fast doppelt so viele offene Stellen wie unversorgte Bewerber. Trotzdem bestimmte die insgesamt rückläufige Zahl der geschlossenen Ausbildungsverträge die anschließende Diskussion. Dass die Zahl der Bewerber im gleichen Zeitraum um 14 Prozent zurückgegangen war, ging dagegen unter.

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