Gegen Eis und Schnee

Wie Chemie Züge, Flugzeuge und Autos wintertauglich macht

Testanlage: Besprühen mit Glykolalkohol soll ICEs vor Vereisung schützen. Foto: dpa

Frankfurt. Im Kampf gegen winterliche Verspätungen setzt die Bahn auf eine starke Waffe: Frostschutzmittel. In Frankfurt startete sie jetzt eine 800.000 Euro teure Sprühanlage, die den ICE 3 von unten mit einem Gemisch aus Glykolalkohol und Wasser besprüht. Das haftet an den Fahrgestellen und verhindert, dass sie während der Fahrt vereisen.

Produkte der Chemie sollen den Winteralltag im Verkehr erträglicher machen. Sie helfen gegen Rutschpartien mit dem Auto, vereiste Flughafen-Pisten und eingefrorene Flieger.

Auch bei den Düsenjets setzt man auf Enteisungsmittel mit Glykolalkohol. Ein großer Hersteller ist da der Chemiekonzern Clariant. Er beliefert nach eigenen Angaben „europaweit rund 100 Flughäfen“ mit den Mitteln, zum Beispiel von seinem Werk im bayerischen Gendorf aus.

Ameisensäure senkt den Gefrierpunkt um 50 Grad

Dank der heißen Mixtur brauchen die Winterdienst-Spezialisten des Flughafens Frankfurt im Durchschnitt nicht einmal 15 Minuten, um das Eis von den Tragflächen eines Düsenjets zu sprühen. Etwa 1,1 Millionen Tonnen hat der Airport davon derzeit gebunkert; das reicht für fünf Wintertage. Hinzu kommen mehr als 3 Millionen Tonnen Enteisungs­lösung für Start- und Landebahnen.

Weil das korrosive Streusalz den Fliegern schadet, setzt der Airport auf ein schonenderes Mittel: ein Salz der Ameisensäure. Damit lasse sich der Gefrierpunkt von Wasser auf bis zu minus 50 Grad Celsius absenken, erklärt Tatjana Levy. Sie ist Innovationsmanagerin beim Ludwigshafener Chemiekonzern BASF, einem großen Hersteller von Ameisensäure.

Mithilfe der Enteiser heben die Flieger also auch an kältesten Tagen ab. Für gute Fahrt auf verschneiter Fahrbahn sorgt unterdessen eine wachsende Vielfalt an Winterreifen von Conti, Michelin, & Co. Ob Gelände- oder Sportwagen, Mittelklasse- oder Kleinstauto – alle brauchen ihren speziellen Reifentyp.

Mit diesen Pneus rollt Deutschland sicher durch den Winter. Denn: „Mehr als 80 Prozent aller Autos werden von Sommer- auf Winterreifen umgerüstet“, weiß Hans-Jürgen Drechsler vom Bundesverband Reifenhandel. Dennoch stagniert der Absatz. Im letzten Jahr verkauften die Hersteller hierzulande 22,4 Millionen Winterreifen. Fraglich, ob es dieses Jahr mehr werden. Die Pneus halten einfach länger.


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