Balance halten!

Wie Betriebe Wettbewerbsfähigkeit und Mitarbeiterorientierung im Blick behalten

Frankfurt. Wenn Rainer Dulger über die Ingenieurinnen in seiner Firma spricht, die Mütter geworden sind, kann der Unternehmer seinen Stolz nicht verbergen: „Sie sind alle wieder an ihre Arbeitsplätze zurückgekehrt.“ Der Heidelberger Hersteller von Dosierpumpen unterstützt sie dabei nach Kräften – etwa mit dem Arbeiten von zu Hause aus.

Doch der Chef der Firma ProMinent, der zugleich Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall ist, sieht auch: „Es ist alles andere als einfach für Unternehmen, die Lage im Wettbewerb und die der eigenen Mitarbeiter in der Balance zu halten.“

Einerseits müssten die Betriebe sich gegen den drohenden Fachkräftemangel absichern. „Gleichzeitig“, stellt er fest, „werden die Unternehmen mit wachsenden Ansprüchen der Mitarbeiter und aus der Politik konfrontiert: Work-Life-Balance, bezahlte Auszeiten für Pflege, Kinder, Vorruhestand“ – und so fort.

Das Thema Arbeitszeit, so Dulger kürzlich in Frankfurt, sei „das Thema der Zukunft, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten“. Darüber werde man mit der IG Metall sprechen.

Eine erste Antwort der Gewerkschaft gibt es noch am gleichen Abend, auf dem „Hessenforum“ des Arbeitgeberverbands Hessenmetall. Armin Schild, Leiter des IG Metall Bezirks Mitte, spricht sich klar gegen eine weitergehende Arbeitszeitverkürzung aus: „Eine 32-Stunden-Woche wäre bei unseren Mitgliedern nicht der Renner.“ Dagegen würden 80 Prozent sich mehr Flexibilität wünschen.

Mehr Flexibilität benötigen auch die Firmen, so Gesamtmetallpräsident Dulger: „Mit unserem System flexibler Arbeitszeiten konnten wir bisher die Nachteile unserer hohen Kosten und unserer kurzen Arbeitszeiten wettmachen.“ Von so verstandener Flexibilität profitieren aber nicht etwa nur die Unternehmen: „Sie stärkt auch die Arbeitsplatzsicherheit.“

Um wettbewerbsfähig zu bleiben, benötige die Wirtschaft aber auch einen Staat, der sich stärker zurückhält als zuletzt: „Wer meint, alles überprüfen, reglementieren und vereinheitlichen zu müssen, nimmt den Betrieben die Luft zum Atmen“, sagt Dulger vor rund 200 Gästen.

Und er liefert einige aktuelle Beispiele gleich mit: neue Vorgaben über Fenster in allen Arbeitsräumen etwa. „Wir brauchen auch keine Anti-Stress-Verordnung, die vorschreibt, welche gesundheitliche Maßnahme für jeden der 23.000 Metall- und Elektro-Betrie-be unabhängig von Größe oder Branche die beste ist.“

Gute Schulen, exzellente Kinderbetreuung

Was jedenfalls auch die Gewerkschaft anerkennt: „Der gesamte Sozialstaat Deutschland lebt davon“, so IG-Metaller Schild, dass IndustrieUnternehmen im internationalen Wettbewerb Überschüsse erwirtschaften. Deshalb dürfe die Weiterentwicklung von Unternehmen nicht an fehlenden Fachkräften scheitern.

Was Betriebe dabei laut Dulger unter anderem vom Staat erwarten: „gute Schulen und exzellente Kinderbetreuungsmöglichkeiten“. Aber eben keine neuen Regulierungen wie etwa ein Gesetz zur Entgeltgleichheit. Diese Erkenntnis scheine sich in der Bundes- und den Landesregierungen durchzusetzen: „Ich hoffe, den Ankündigungen werden auch Taten folgen.“


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