Standpunkt

Wettlauf der Zahlen

Studien zum Lohn von Mann und Frau klingen dramatisch, haben aber Macken

Alle Jahre wieder versorgt Eurostat, das Zahlenamt der EU, den Blätterwald mit Schlagzeilen über die „Lohn-Lücke“. Nach dem letzten Stand verdienen Frauen in Deutschland pro Stunde 23 Prozent weniger als Männer. Das sei ein Zeichen von „Ungleichbehandlung“ und „Diskriminierung“.

Von Übel ist ja nur die Ungleichbehandlung von Gleichem. Den Nachweis, dass solches der Fall ist, sparen sich die Ankläger – in der richtigen Annahme, dass die Medien ihre Schreckenszahlen gern auch roh schlucken. Und natürlich vor allem deshalb, weil der Nachweis nicht zu erbringen wäre.

Der vermeintliche Skandal schrumpft schon auf die Hälfte, nämlich 12 Prozent, wenn man auf die Zahlen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg (IAB) schaut, das der Bundesagentur für Arbeit zugeordnet ist. Anders als die EU-Behörde sorgt es nämlich dafür, dass jeweils „Personen mit gleicher Ausbildung, gleichem Beruf und gleichem Alter im gleichen Betrieb“ verglichen werden.

Die Anwendung entsprechender Verfahren liegt auf der Hand. Doch sie würde der EU den Propagandawert verwässern, gemäß dem Motto: „Wer bietet mehr Skandal-Story?“ Und so kehrt man denn unter den Statistik-Teppich, dass zum Beispiel die Sprechstunden­hilfen zu 99 Prozent Frauen und die Schlosser zu 98 Prozent Männer sind.

Im Übrigen tritt auch das IAB stramm für eine Politik der Ausmerzung statistischer Unterschiede ein. Genauer dafür, die „Erwerbsunterbrechungen“, die nun mal Karriere und Einkommensentwicklung eher bremsen, „gleichmäßiger auf Frauen und Männer zu verteilen“.

Indem zum Beispiel „der gesetzliche Anspruch auf Erziehungsurlaub zwischen der Mutter und dem Vater aufgeteilt“ wird. Korrekt! Der statistischen Entgeltgleichheit kommt man so durch staatliche Gestaltung der häuslichen Lebensverhältnisse näher.

In Nürnberg ist mithin bekannt, dass nicht ungleiche Bezahlung gleicher Arbeit vorliegt. Denn der Gesetzgeber soll ja erst die Gleichheit der Arbeit befördern.

Bliebe noch der geringe Anteil von Frauen in Top-Positionen. Da ist was dran. Aber auch an Folgendem: Wer heutzutage als vorzeigbar gelten will, ist ja zu dem Irrglaubensbekenntnis verpflichtet, dass zwischen Männlein und Weiblein von Natur aus hier und überall Rechenschieber-Gleichheit der Anlagen und Neigungen programmiert ist.


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